Keine Verbesserung der kognitiven Funktionen

Insulin-Nasenspray enttäuscht bei Demenz

Stuttgart - 21.09.2020, 17:50 Uhr

Am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag. (Foto: nito / stock.adobe.com) 

Am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag. (Foto: nito / stock.adobe.com) 


Insulin ist vor allem bekannt für seine blutzuckerregulierende Wirkung. Das Peptidhormon hat aber auch vielseitige Wirkungen im Gehirn. Dort beeinflusst es zum Beispiel die Gedächtnisleistung und andere kognitive Funktionen.

Einige Studien deuten darauf hin, dass auch die Alzheimer-Krankheit mit einer Fehlregulierung von Insulin im Gehirn verbunden ist. So stellt sich die Frage, ob Patienten mit Alzheimer oder kognitiven Beeinträchtigungen von einer Wiederherstellung der Insulin-Funktion im Gehirn profitieren.

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Eine Möglichkeit, die Verfügbarkeit von Insulin im Gehirn zu erhöhen, ist die intranasale Applikation. Auf diesem Wege wird die Blut-Hirn-Schranke umgangen und das Peptid kann über olfaktorische und trigeminale perivaskuläre Kanäle das Gehirn erreichen, ohne periphere Insulin- und Blutzuckerspiegel zu beeinflussen. Nach einer vielversprechenden Pilotstudie hat eine amerikanische Forschergruppe nun die Umsetzbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit der intranasalen Insulin-Behandlung in einer multizentrischen Phase-II/III-Studie mit Alzheimer-Patienten und Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen untersucht.

Anfängliche Schwierigkeiten

Bei der placebokontrollierten Doppelblind-Studie der University of Southern California wurden insgesamt 289 Studienteilnehmer (53,6% Männer; mittleres Alter 70,9 Jahre) 1:1 randomisiert und erhielten während der verblindeten Phase zwölf Monate lang 40 IE Insulin oder Placebo. Im Anschluss daran folgte eine sechsmonatige offene Verlängerung. Die ersten 49 Personen erhielten die Studienmedikation mit dem in der Pilotstudie verwendeten Hilfsmittel (Device 1). Dieses erwies sich jedoch als unzuverlässig, weshalb für die verbleibenden 240 Studienteilnehmer ein anderes Hilfsmittel (Device 2) zur intranasalen Applikation eingesetzt wurde. Device 2 war zuvor noch nicht bei Alzheimer-Patienten angewendet worden, hatte sich aber als zuverlässig bei der Bereitstellung festgelegter Insulin-Dosen an den olfaktorischen Strukturen erwiesen. Letztere Gruppe bildete die primäre Intention-to-treat-Population mit 121 Teilnehmern in der Insulin-Gruppe und 119 in der Placebo-Gruppe.

Kognitiver Nutzen bleibt aus

Primärer Studienendpunkt war die mittlere Score-Änderung auf einer standardisierten 12-Punkte-Bewertungsskala zur Beurteilung des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Die Evaluierung erfolgte in einem Intervall von drei Monaten, während sekundäre funktionelle Endpunkte alle sechs Monate bewertet wurden. Zu Beginn der Studie und nach zwölf Monaten wurde zudem die Zerebrospinalflüssigkeit zur Bestimmung von Insulin und Biomarkern der Alzheimer-Krankheit (Aβ42, Aβ40, totales tau-Protein und am Threonin 181 phosphoryliertes tau-Protein) entnommen, sowie eine Magnetresonanztomografie durchgeführt. 

In Bezug auf den primären Endpunkt wurde in der primären Intention-to-treat-Kohorte kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsarmen beobachtet (0,0258 Punkte; 95% Konfidenzintervall: -1,771 bis 1,822 Punkte; p = 0,98). Gleiches gilt für die anderen kognitiven und funktionellen Endpunkte. Auch das aus der Zerebrospinalflüssigkeit gewonnene Biomarker-Profil war vergleichbar. Die klinische Bedeutung des geringfügig reduzierten hippocampalen Volumens im Insulin-Arm ist noch unklar. Zwischen Insulin- und Placebo-Gruppe wurden keine Unterschiede hinsichtlich Anzahl und Schweregrad der unerwünschten Ereignisse registriert. Meist handelte es sich um Infektionen, Verletzungen, Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems, die als mild bewertet wurden.

Zusammenfassend konnte über einen Zeitraum von zwölf Monaten in der primären Intention-to-treat-Kohorte kein kognitiver oder funktioneller Nutzen der intranasalen Insulin-­Behandlung im Vergleich zu Placebo beobachtet werden. Der mitten in der Studie erfolgte Wechsel der Applikationshilfe und die Tatsache, dass Device 2 zuvor noch nicht an Alzheimer-Patienten eingesetzt worden war, stellen Limitationen dar. Weitere Studien zu intranasalen Applikationshilfen, die zuverlässig den Insulin-Spiegel im ZNS erhöhen, sind daher nach Ansicht der Autoren erforderlich.

Literatur

Craft S et al. Safety, efficacy, and feasability of intranasal insulin for the treatment of mild cognitive impairment and alzheimer disease dementia. A randomized clinical trial. JAMA Neurology 2020; published online June 22,2020. doi: 10.1001/jamaneurol.2020.1840



Dr. Daniela Leopoldt, Apothekerin
redaktion@daz.online


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