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Erreger von Durchfallerkrankungen

Berlin - 17.02.2020, 11:29 Uhr

(Foto: andriano_cz / stock.adobe.com) 

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Sind Durchfallerkrankungen infektiös bedingt, kommen dafür verschiedene Erreger in Frage. Zu den häufigsten Auslösern zählen verschiedene Viren und Bakterien. Der weltweit häufigste Durchfallerreger ist das Bakterium vibrio cholerae, der weltweit immer wieder zu Cholera-Epidemien führt. Er kommt im europäischen Raum jedoch ebenso selten vor, wie die durch Protozoen oder Würmer verursachten Darmparasitosen. In tropischen und subtropischen Gebieten spielen diese hingegen eine große Rolle. 
In diesem Artikel sollen die in europäischen Breitengraden häufigsten Erreger näher beschrieben werden.

Viren als Auslöser von Durchfallerkrankungen

Viral bedingte Durchfallerkrankungen dauern meist nur wenige Tage und klingen ohne bleibende Schäden wieder ab. Für kleine Kinder und ältere Menschen können die Infektionen vor allem durch den hohen Flüssigkeitsverlust bedingt gefährlich werden. Eine Rehydratationstherapie (oral oder parenteral) steht daher in der Therapie im Vordergrund.

1. Rotaviren

Rotaviren haben ihren Namen vom lateinischen Wort „rota“ für „Rad“. Sie sind die häufigste Ursache für Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern und führen nicht selten zu einem Klinikaufenthalt. Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion. Noch bis zu acht Tage nach der Erkrankung werden die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden, solange sind Betroffene ansteckend. Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage.

Es steht bisher keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit gegen Rotaviren zur Verfügung. Seit Juli 2013 empfiehlt die STIKO jedoch die Schluckimpfung für Säuglinge ab 6 Wochen. Es handelt sich um einen oralen Lebendimpfstoff (z.B. Rotarix®, RotaTeq®). Weiterführende Informationen zur Impfung gegen Rotaviren finden Sie hier.

2. Noroviren

Diese Virusart wurde zuerst von einem Forscherteam in Norwalk in US-Bundesstaat Ohio beschrieben. Abgeleitet vom Namen dieser Ortschaft entstand die Bezeichnung Norovirus. Infektionen mit Noroviren kommen sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig vor. Die Viren werden durch Schmierinfektion aber auch durch Tröpfcheninfektion beim Erbrechen übertragen. Mit dem Kot werden die Viren noch bis zu zwei Wochen nach der Erkrankung ausgeschieden. Die Inkubationszeit beträgt wie bei den Rotaviren 1-3 Tage. 

Eine Norovirus-Infektion beginnt meist sehr plötzlich und ist durch heftiges Erbrechen gekennzeichnet. Begleitend tritt häufig leichtes Fieber auf.

Es steht keine Schutzimpfung und keine ursächliche Therapie gegen Noroviren zur Verfügung; die Behandlung erfolgt rein symptomatisch.

3. Adenoviren

Adenoviren haben ihren Namen von den Adenoiden erhalten. Dies ist der Fachbegriff für die Rachenmandeln, aus denen der Erreger das erste Mal isoliert und beschrieben wurde. Die Erreger werden durch Schmierinfektion übertragen und befallen meist Kinder und Jugendliche. Betroffene scheiden die Erreger ca. zwei Wochen über den Stuhl aus und sind in dieser Zeit ansteckend. Die Inkubationszeit beträgt 5-8 Tage.

Wie bei den Noroviren auch ist nur eine symptomatische Therapie möglich.

Bakterien als Auslöser von Durchfallerkrankungen

Ist die Durchfallerkrankung von Fieber begleitet, muss an eine bakterielle Erkrankung gedacht werden. In diesem Fall sollte auch die Reisehistorie abgefragt werden, um eventuelle „Urlaubs-Souvenirs“ schneller zu entlarven. Eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich, aber nur bei schweren Verläufen nötig.

Die häufigsten bakteriellen Durchfall-Erreger in Europa sind:

1. Campylobacter

Dieses Bakterium hat seinen Namen vom altgriechischen Wort „kampylos“ für „krumm“ erhalten. Es handelt sich um ein gekrümmtes Stäbchen-Bakterium, das vor allem in der warmen Jahreszeit als häufigster Erreger von bakteriellen Durchfallerkrankungen gilt.

Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion. Betroffene scheiden noch zwei bis vier Wochen nach der Erkrankung Erreger mit dem Stuhl aus und sind in diesem Zeitraum ansteckend. Eine Infektion kann auch über verunreinigte Nahrungsmittel und verunreinigtes Wasser erfolgen sowie über direkten Kontakt mit Tieren (vor allem deren Kot). Die Inkubationszeit beträgt 1-5 Tage.

2. Salmonellen

Diese Bakterienart ist nach ihrem Entdecker Daniel E. Salmon benannt. Die Ansteckung erfolgt meist über verunreinigte Lebensmittel (rohe Eier, Hackfleisch und Geflügel). Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis drei Tage. Besonders bei Kindern und älteren Menschen kann die Infektion schwer verlaufen, unter Umständen mit Blutvergiftung.

Der Erreger wird noch bis zu vier Wochen nach der eigentlichen Erkrankung mit dem Stuhl ausgeschieden. In dieser Zeit besteht Ansteckungsgefahr. In schweren Fällen kann sich diese Zeitspanne bis zu einem halben Jahr verlängern.

3. Pathogene E.Coli

Escherichia coli- Bakterien sind ein wichtiger Bestandteil der physiologischen Darmflora. Sie sind nach dem Kinderarzt Theodor Escherich benannt. Die Zusatzbezeichnung „coli“ bezieht sich auf den Dickdarm (lat. colon). Gebräuchlich ist die Abkürzung E.coli.

Verschiedene Untertypen dieses Bakterienstammes sind für den Menschen pathogen, z.B. der enterotoxische E.Coli (ETEC), der häufigste Erreger der Reisediarrhoe oder der enterhohämorrhagische E.Coli (EHEC).

Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion, aber auch über Lebensmittel wie verunreinigtes Wasser oder Rohmilch. Die Inkubationszeit beträgt einige Stunden bis wenige Tage. Erreger werden noch mehrere Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden und stellen eine Infektionsgefahr dar.

4. Clostridoides difficile (früher Clostridium difficile)

Dies ist ein Keim der physiologischen Darmflora. Werden konkurrierende Arten der Darmflora durch Antibiotikatherapie zurückgedrängt, kann er sich unkontrolliert vermehren und Toxine bilden, die Durchfall auslösen. Clostridoides difficile ist einer der häufigsten Krankenhauskeime. Betroffene sind vor allem während der akuten Erkrankungsphase ansteckend.


Annette Thomas, Apothekerin, Dozentin, DAZ.online-Autorin
redaktion@daz.online


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