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Neues zu SARS-CoV-2 in Kürze

mab/du | Genesen, grundimmunisiert oder schon geboostert? Wer aktuell ein Restaurant oder Fitnessstudio besuchen oder im Einzelhandel einkaufen will, für den ist der 2G(Plus)-Status ein entscheidendes Kriterium. Seit wenigen Tagen gilt nun, dass Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchlebt haben, sich nur noch 90 Tage genesen nennen dürfen anstatt wie bisher sechs Monate. Wann sich Kinder ab zwölf Jahren nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission boostern lassen können und was sonst noch in dieser Woche interessant war, lesen Sie im Folgenden.

Booster jetzt auch für Kinder und Jugendliche

Die Omikron-Welle ist weiter im Vormarsch in Deutschland. Um die exponentielle Zunahme an SARS-CoV-2-­Infektionen abzuschwächen, empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO ab sofort auch Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren eine Auffrischungsimpfung. Diese sollte mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty® (30 µg) frühestens drei Monate nach der zweiten Dosis der Grund­immunisierung erfolgen. Die Kinder und Jugendlichen sollen damit nicht nur besser vor symptomatischen Infektionen mit der Omikron-Variante geschützt sein, sondern auch selbst weniger zum Überträger werden. Zwar gibt es laut STIKO noch wenige Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit einer dritten Impfdosis in dieser Personengruppe. Jedoch schätzen die ­Experten, dass mögliche Impfnebenwirkungen ähnlich ausfallen werden wie nach der 2. Impfstoffdosis bzw. der Boosterung bei 18- bis 25-Jährigen. In der gleichen Stellungnahme verweist das Komitee zudem darauf, dass einmalig mit der Vektorvakzine von Janssen geimpfte Personen weiterhin bevorzugt als zweite Impfstoffdosis einen mRNA-Impfstoff zur Optimierung des Impfschutzes wählen sollten, und nicht – wie von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA empfohlen – eine zweite Dosis des Vektorimpfstoffs. Auch für die Auffrischungsimpfung empfiehlt die Kommission, einen mRNA-Impfstoff anzuwenden [Pressemitteilung der STIKO 13. Januar 2022].

Grafik: GEMINI/AdobeStock

Genesenen-Status auf drei Monate verkürzt

Bisher hatten Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchlebt hatten, ab 28 Tage nach dem positiven PCR-Testergebnis sechs Monate den Genesenen-Status inne. Dies ändert sich mit Wirkung zum 15. Januar 2022, wie das Robert Koch-Institut nun bekannt gibt. Künftig gilt der Genesenen-Status jetzt nur noch 90 Tage nach dem Datum der Abnahme des positiven Tests. Hintergrund für diese Verkürzung sind wissenschaft­liche Daten, die darauf hindeuten, dass der Schutz nach einer durch­gemachten Omikron-Infektion im Vergleich zur Delta-Variante deutlich herabgesetzt und zeitlich noch stärker begrenzt ist [Pressemitteilung des RKI, Stand 17. Januar 2022].

Transverse Myelitis nach Impfung mit Vektorimpfstoffen

Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) hält einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer transversen Myelitis nach Impfung mit den Vektorimpfstoffen Vaxzevria und der COVID-19-Vakzine Janssen für wahrscheinlich und empfiehlt einen Warnhinweis sowie die Aufnahme dieser sehr seltenen Nebenwirkung in die Produktinformationen der Impfstoffe. Eine transverse Myelitis ist eine neurologische Komplikation, die gekennzeichnet ist durch eine akute Entzündung des Rückenmarks. Je nach betroffenem Rückenmarksabschnitt kann es zu Muskelschwäche in Armen und Beinen, Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen, aber auch fehlendem Schmerzempfinden, Lähmungen und auch Funktionsstörungen beispielsweise von Enddarm und Harnblase kommen. Die Einschätzung des PRAC basiert auf Datenanalysen der EudraVigilance-Datenbank sowie der wissenschaftlichen Literatur. Das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis wird durch diese sehr seltene Nebenwirkung nicht verändert [PRAC-Meeting-Highlights, 10. bis 13. Januar 2022].

TTS nach Zweitimpfung seltener

In sehr seltenen Fällen muss nach Impfung mit Vektorimpfstoffen mit einem Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) gerechnet werden. Eine kumulative Datenanalyse zu Vaxzevria® hat gezeigt, dass die meisten Fälle nach der Erstimpfung aufgetreten sind, deutlich seltener nach Zweitimpfung. Weltweit wurden 1809 TTS-Fälle registriert, davon 1643 nach Erst- und 166 Fälle nach Zweitimpfung mit Vaxzevria®. Das PRAC empfiehlt, diese Erkenntnisse in die Produktinformationen aufzunehmen. Gleichzeitig verweist es darauf, dass schon jetzt eine Zweitimpfung mit Vaxzevria® kontraindiziert ist, wenn nach Erstimpfung ein TTS aufgetreten ist [PRAC-Meeting-Highlights, 10. bis 13. Januar 2022].

WHO empfiehlt Baricitinib und Sotrovimab

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zwei neue Therapieemp­fehlungen für COVID-19-Patienten herausgegeben. So können schwer erkrankte Patienten, bei denen Komplika­tionen in Form eines Zytokinsturms zu erwarten sind, in Kombination mit Glucocorticoiden mit dem oral einzunehmenden Baricitinib behandelt werden. Baricitinib wurde ursprünglich zur Therapie der rheumatoiden Arthritis entwickelt und reguliert über die Hemmung der Januskinase (JAK) das Immunsystem herunter. Leichter erkrankten Personen, die gleichzeitig aber ein hohes Risiko haben, hospitalisiert werden zu müssen, rät die WHO zur Anwendung des Antikörpers Sotrovimab. Die Empfehlung gilt insbesondere für ältere, immunsupprimierte oder ungeimpfte Personen sowie Menschen, die einen zusätzlichen Risikofaktor für einen schweren Verlauf wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Adipositas aufweisen. In ersten Untersuchungen scheint Sotrovimab auch gegen die Omikron-Variante wirksam zu sein. Für zwei weitere JAK-Inhibitoren, Ruxolitinib und Tofacitinib, hat die WHO aufgrund der nicht sicher nachgewiesenen Wirksamkeit nur eine bedingte Anwendungsempfehlung ausgesprochen [WHO-Pressemitteilung, 14. Januar 2022].

Vierte Dosis schützt nicht sicher vor Omikron-Infektion

Zwei Wochen, nachdem die ersten 150 Personen in Israel eine vierte Dosis des mRNA-Impfstoffs Corminaty® erhalten haben, wurden nun erste Zwischenergebnisse bekannt. So konnte zwar ein deutlicher Anstieg der Antikörper nach der vierten Immunisierung verzeichnet werden, dessen Peak sogar über dem nach der dritten Dosis lag. Dennoch infizierten sich einige Probanden mit der Omikron-Variante. Auch in der zweiten Teilnehmergruppe mit 120 Personen, denen nach dreimaliger Impfung mit der mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer als vierte Dosis eine Dosis der mRNA-Vakzine von Moderna verabreicht wurde, konnte Ähnliches fest­gestellt werden. Professor Gili Regev aus Tel Aviv meint: „Die Entscheidung (in Israel), Immungeschwächten die vierte Dosis zu geben, könnte zwar einen kleinen Vorteil verleihen. Aber vermutlich nicht genug, um sie der ganzen Bevölkerung zu geben. [...] Wenn jemand eine persönliche Gefährdung hat, dann sollte man besser jetzt impfen, wenn nicht, dann vielleicht besser abwarten“ [dpa-Meldung, 18. Januar 2022]. |

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