Prisma

Kuckucksei im Nest

Den Genen der Brutparasiten auf der Spur

Foto: fotoparus/AdobeStock

Das Ei-Muster ist schon einmal gelungen, an der Größe muss dieser Kuckuck noch arbeiten.

mp | Im Mensch- und Tierreich weiß es jeder, der es kennt: Den Nachwuchs auf die Welt zu bringen und großzuziehen, ist kein Kinderspiel, sondern vielmehr harte Arbeit. Brutparasiten machen es sich leichter. Sie schmuggeln ihre Eier einfach anderen Arten ins Nest. Die Wirte übernehmen das Brüten und Aufziehen, weil sie denken, es wären ihre eigenen Jungen. Berühmte Vertreter der Brutparasiten sind die Kuckucke. Einige Tage beo­bachten Kuckucksweibchen geeignete Gastgeber und legen im richtigen Moment ihr Ei im fremden Nest ab. Der wichtigste Teil des Kunststücks geschieht im Verborgenen. Denn die Kuckucke imitieren die Farbe und Musterung der Wirts-Eier. Sie schaffen es sogar, ihre Eier unterschied­lichen Wirten mit jeweils anderer Ei-Musterung anzupassen. Die ahnungslosen Wirte können kaum unterscheiden, welches Ei fremd und welches eigen ist. Sie brüten also alle Eier aus, auch die des Kuckucks. Forscher vermuteten schon lange, dass Kuckucksweibchen das geschickte Mimikry gelingt, indem die Gene für die Ei-Muster nur von der mütterlichen Seite vererbt werden. Das würde bedeuten, dass Männchen bei der Paarung keine Gene einbringen, die die Musterung verändern und verdächtige Eier hervorbringen könnten. Ein Team um die südafrikanische Ornithologin Claire Spottiswoode bestätigte nun diese These in einer Publikation über Kuckucksfinken. Doch die Taktik bringt den Brutparasiten nicht nur Gutes. Denn die Opfer der Kuckucke schlagen zurück, indem sie genetisch aufrüsten. Sie bringen neue Musterungen hervor, zum Teil Eier in mehreren Variationen, die sie alle als eigen erkennen. Weil die Gene für die Ei-Musterung auch von Männchen vererbt werden können, steigt die Wahrscheinlichkeit für fälschungs­sichere Muster. Die Kuckucke können sich ihrerseits anpassen, aber nicht so schnell wie ihre Wirte und müssen sich immer häufiger neue Opfer suchen. Auch Betrug ist nicht immer kinderleicht. |

Literatur

Spottiswoode CN et al. Genetic architecture facilitates then constrains adaptation in a host-parasite coevolutionary arms race. PNAS 2022;119(17):e2121752119

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