Gesundheitspolitik

Kommentar: Eine Frage an das Gewissen

Dr. Christine Ahlheim

In Sachen Corona ist man von der Politik mittlerweile einiges gewöhnt. Doch das Theater, das sich im Bundestag gerade beim Thema Impfpflicht abspielt, ist nach zwei Jahren Pandemie nur schwer zu ertragen. Zwar befürwortet der Bundeskanzler eine Impfpflicht. Aber da er fürchtet, innerhalb seiner Koalition keine eigene Mehrheit zu bekommen, wird das Ganze zur Gewissensfrage erklärt und den Abgeordneten überlassen. Aus deren Reihen sind mittlerweile fünf Vorschläge gekommen, von denen drei eine Impfpflicht in unterschiedlichen Abstufungen befürworten (s. S. 8).

Dabei dürfte sich bei den meisten Menschen die Begeisterung für eine Impfpflicht in Grenzen halten. Aber nach dem, was wir in den letzten beiden Jahren erlebt haben, herrscht bei vielen der Wunsch vor, dass der kommende Herbst keine Einschränkungen mehr bringt. Doch es ist kaum anzunehmen, dass Corona bis dahin vorbei ist. So äußerte Biontech-Chef Ugur Sahin gegenüber „Bild“, man müsse sich darauf einstellen, auch noch in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit dem Virus zu leben.

Voraussetzung für ein „Leben mit dem Virus“ ist, dass genügend Menschen geimpft sind und damit das Gesundheitssystem vor Überlastung geschützt ist. Wie es aussieht, ist in Deutschland dieses Ziel ohne Impfpflicht nicht erreichbar. Deshalb ist zu hoffen, dass die Abgeordneten, die prinzipiell die Impfpflicht befürworten, einen guten Kompromiss finden. Denn kommt es zu keiner Einigung, könnte die Impfpflicht scheitern. Die Frage an das Gewissen sollte daher nicht lauten, inwieweit man den Bürgern eine Impfpflicht zumuten will, sondern vielmehr, ob man ihnen einen weiteren Corona-Winter zumuten darf.

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