Rote Hand zu Eligard bei Prostatakarzinom

Brechende Nadel bei Eligard bedingt Unterdosierung

Stuttgart - 19.12.2017, 14:50 Uhr

Prostatakarzinom: Probleme mit brechenden Kanülen bei Eligard könnten zu Unterdosierungen führen. (Foto: Astellas)

Prostatakarzinom: Probleme mit brechenden Kanülen bei Eligard könnten zu Unterdosierungen führen. (Foto: Astellas)


Astellas warnt vor möglichen Medikationsfehlern bei Eligard®: Durch Überdrehen der Sicherheitsnadel beim Leuprorelinacetat-haltigen Injektions-Arzneimittel, kann der Nadelansatz brechen. Leuprorelinacetat kann folglich austreten, es drohen Unterdosierungen beim Patienten. Eligard® dient der Behandlung des hormonabhängigen Prostatakarzinoms.

Der pharmazeutische Unternehmer Astellas informiert in einem Rote-Hand-Brief über aufgetretene Medikationsfehler bei seinem Injektions-Arzneimittel Eligard®. Nach Rekonstitution der Injektionslösung und dem anschließendem Aufschrauben der Kanüle, überdrehen Ärzte wohl gehäuft die Nadel. Bricht die Sicherheitskanüle am Nadelansatz, kann Wirkstoff während der Injektion auslaufen. In diesem Zusammenhang warnt Astellas vor Unterdosierungen der Leuprorelinacetat-Therapie mit Eligard®. Leuprorelinacetat ist ein Arzneistoff aus dem Bereich der Onkologie. Ärzte setzen das Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analogon zur Behandlung des hormonsensitiven Prostatakarzinoms ein.

Wo passiert der Fehler bei Eligard®?

Eligard® besteht aus zwei separaten Spritzen, wobei Spritze A das Lösungsmittel und Spritze B den Wirkstoff Leuprorelinacetat in Pulverform enthält. Durch Zusammenschrauben der beiden Spritzen rekonstituiert sich das Arzneimittel.
Zusätzlich liefert Astellas eine Sicherheitskanüle zur Injektion mit, die nach Rekonstitution von Leuprorelinacetat auf die Spritze B geschraubt wird. Hier passieren wohl gehäuft Fehler durch ein Überdrehen der Nadel.

Eine ausführliche Anleitung zur Rekonstitution – in Wort und Bild – finden medizinische Fachkräfte in der Fachinformation zu Eligard®.
Astellas betont in seinem Rote-Hand-Brief nochmals:

  • „Bei der Befestigung der Sicherheitsnadel an der Spritze mit der rekonstituierten Lösung ist zu beachten, dass die Nadel vorsichtig gedreht und die Spritze dabei festgehalten wird.
  • Wenn der Nadelansatz gebrochen oder beschädigt zu sein scheint oder wenn Flüssigkeit ausläuft, darf das Produkt nicht verwendet werden. Die Sicherheitsnadel darf nicht ersetzt werden, da sich die in der klinischen Praxis verwendeten Standardnadeln von den für Eligard® vorgesehenen Sicherheitsnadeln im Durchmesser unterscheiden.
  • Bei Verdacht auf eine fehlerhafte Handhabung von Eligard® sollte der Testosteronspiegel kontrolliert werden.“

Wie wirkt Leuprorelinacetat?

Leuprorelinacetat ist ein synthetisches Analogon des natürlich vorkommenden Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH). Als Agonist am GnRH-Rezeptor der Adenohypophyse stimuliert Leuprorelinacetat initial die Freisetzung von FSH (follikelstimulieredes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) und führt kurzfristig zu einer erhöhten Testosteronproduktion in den Testes. Eine dauerhafte Applikation bewirkt jedoch den gegenteiligen und gewünschten Effekt: Leuprorelinacetat supprimiert beim Mann die testikuläre Steroidbildung. Die Testosteron-Plasmaspiegel erreichen nach drei bis fünf Wochen Kastrationsniveau (≤ 50 ng/dl). Diese Wirkung ist nach Beendigung der Arzneitherapie reversibel. Allerdings übt der Agonist eine stärkere Wirkung aus als das natürliche Hormon, und die Zeitspanne bis zur Erholung der Testosteronspiegel kann von Fall zu Fall verschieden sein.
Leuprorelinacetat hat eine Zulassung zur Behandlung des hormonabhängigen, fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. In Kombination mit Radiotherapie ist Leuprorelinacetatat für die Behandlung von lokalisiertem Hochrisiko- und lokal fortgeschrittenem hormonabhängigem Prostatakarzinom indiziert.

Hersteller: Astellas
Handelsname: Eligard®


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Eligard

von Christian Treske am 19.12.2019 um 12:03 Uhr

Ich erhalte seit einem Dreiviertel-Jahr dieses Medikament. Ist es i.O.,daß sich dieses unter der Haut als harter "Knubbel" festsetzt, anstatt sich zu verteilen? Die Größe nimmt nur sehr langsam innerhalb von Monaten ab.
Vielen Dank, C. Treske

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