Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

09.06.2024, 07:30 Uhr

Kein Honorarplus – und die ABDA ohne Strategie (Foto: Alex Schelbert)

Kein Honorarplus – und die ABDA ohne Strategie (Foto: Alex Schelbert)


Was nun? Wird das Apothekenhonorar angehoben? Die ABDA-Präsidentin konnte mit Lauterbach sprechen. Was kam dabei heraus? Nichts Konkretes. Lauterbach wird wohl seine Apothekenreform durchziehen wollen. Beim Honorar bestehe innerhalb der Bundesregierung noch Klärungsbedarf, heißt es aus dem Ministerium. Klingt nicht wirklich gut. Nur zum Skonto-Urteil will die ABDA „vorsichtige positive Signale“ wahrgenommen haben, was auch immer das heißt. Und am Tage der Tag der Apotheke stellte die ABDA apothekerliche Wehklagen vor, aber keine Strategien. Auch keine neuen Proteste. Obwohl täglich ein bis zwei Apotheken schließen. Hat die ABDA die Apotheken schon aufgegeben? Geschlossenheit forderte der DAV-Chef. Geschlossen auf dem Weg in den Abgrund? Nein, wir brauchen den Überlebenskampf. Und Mut, neue Ideen, auch mit KI, und Durchsetzungskraft. Und vor allem mehr Selbstbewusstsein!

3. Juni 2024

Der Ankündigung folgt die Tat: Die Freie Apothekerschaft (FA) hat den EU-Versender Shop Apotheke abgemahnt. Grund der Abmahnung ist die laufende Werbung von Shop Apotheke zur digitalen Einlösung von E-Rezepten. Der Versender macht den Versicherten das CardLink-Verfahren schmackhaft: Bis zu 10 Euro könne man bei der ersten E-Rezept-Einlösung über die App sparen, so das Versprechen. Es gilt nur für Kassenrezepte. Die versprochene Gutschrift wird zunächst mit der gesetzlichen Zuzahlung verrechnet, bleibt ein Rest, wird damit eine Festbetragsdifferenz ausgeglichen bzw. vom Preis nicht-verschreibungspflichtiger mitbestellter Ware abgezogen. Hier liegen wettbewerbsrechtliche Verstöße vor, so die Einschätzung der Freien Apothekerschaft, Verstöße, die man nicht hinnehmen will. Sie beauftragte eine Kanzlei, die dann Shop Apotheke „auf Veranlassung und mit Unterstützung des Vereins“ abgemahnt hat. Mein liebes Tagebuch, der Ansatz ist richtig, man kann den Versendern mutmaßliche Verstöße nicht durchgehen lassen. Seit DocMorris mit dieser Art von Dreistigkeit Erfolg hatte, nämlich einfach Recht brechen und warten, was passiert, scheint dies zum Geschäftsmodell von Versendern zu werden: einfach machen. Mein liebes Tagebuch, immerhin, die Apothekerkammer Nordrhein hatte die Marketingmaßnahmen von DocMorris von Anfang an im Blick und diesen Versender immer wieder abgemahnt und gegen ihn geklagt, meist mit Erfolg. Aber was ist mit dem Deutschen Apothekerverband und dem GKV-Spitzenverband, die doch eigentlich zu prüfen haben, ob die Vorgaben ihres Rahmenvertrages und damit auch die Rx-Preisbindung eingehalten werden? Laut DAV geschieht dies auch aktuell – allerdings will man hier immer nur dann über Aktivitäten berichten, wenn sie eingeleitet, umgesetzt oder abgeschlossen sind. Ach so. Demnach sind von Seiten des DAV im Falle Shop Apotheke also keine Aktivitäten eingeleitet? Die FA ist nun aktiv geworden. Übrigens, auch DocMorris wirbt bekanntlich für die E-Rezepteinlösung via CardLink-Verfahren mit ähnlichen Versprechungen wie Shop Apotheke. Das ist doch mindestens eine Abmahnung wert! Von offizieller Seite hört man dazu noch nichts. Vielleicht hat die FA auch diesen Versender im Visier?

 

4. Juni 2024

Ein Blick nach Frankreich zeigt: Auch im Nachbarland haben unsere Kolleginnen und Kollegen deutliche Probleme wegen eines stagnierende Honorars. Dort müssen sich die nationale Krankenkasse mit den Apothekengewerkschaften einigen. Der Protest der französischen Apothekerinnen und Apotheker, zu dem die beiden größten Apothekengewerkschaften Frankreichs aufgerufen haben, sieht allerdings anders aus als bei uns: Berichten zufolge sollen dort 30.000 Apothekeninhaber, -angestellte und Pharmaziestudierende landesweit auf die Straße gegangen sein, um zu protestieren, rund 18.000 Apotheken sollen geschlossen haben. Mein liebes Tagebuch, das sind keine Kuschelstreiks wie sie von der ABDA ausgerufen werden. In Frankreich nimmt man „Eskalation“ ernst. In Paris sind Apothekenteams und sogar Studierende von der pharmazeutischen Fakultät zum Wirtschaftsministerium gezogen. Die Probleme sind denen hierzulande sehr ähnlich: fehlende Honoraranpassung, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Lieferengpässe, eine Zunahme von Apothekenschließungen – und, ja, eine Reform des Pharmaziestudiums, die auf sich warten lässt. (Mein liebes Tagebuch, richtig, die Reform des Pharmaziestudiums! Sie liegt auch in Deutschland noch immer auf Eis, im Tiefkühlfach des Bundesgesundheitsministeriums. Warum geht hier nichts voran?) Die französischen Kolleginnen und Kollegen sorgen sich darüber hinaus auch über die Überlegungen der Regierung, die Regeln für den Onlineverkauf von rezeptfreien Medikamenten zu lockern. Befürchtet wird ein Einstieg von Amazon und der Verkauf von Arzneimitteln in Supermärkten. Mein liebes Tagebuch, es sind Probleme, die uns deutschen Apothekers nicht fremd sind. Die Reaktionen darauf sind in Frankreich sichtlich andere als bei uns.

 

Herr Lauterbach hat sie empfangen, die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening und den ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz. Overwiening durfte ihre Sicht auf die geplante Apothekenreform erläutern. Sicher hat sie dem Minister nochmals verdeutlicht, dass die Lage der Apotheken angespannt ist, dass sie unter dem Honorarstillstand, den immensen Kostensteigerungen, dem Fachkräftemangel und den Lieferengpässen leiden. Und dann noch die Folgen des BGH-Skonto-Urteils. Und sie hat den Minister davor gewarnt, die Bedingungen für den Apothekenbetrieb aufzuweichen, z. B. einer PTA die (temporäre) Führung einer Filiale übertragen zu wollen. Wir wissen nicht, wie Lauterbach auf das Gespräch mit der ABDA-Präsidentin reagieren wird. Dem Statement von Overwiening kann man allenfalls entnehmen, dass, sagen wir es mal so, der Minister auf Durchzug schaltete, zum einen Ohr rein, beim andern hinaus. Das Ministerium wird wohl bei seinen Reformplänen bleiben. Allenfalls zum Thema Skonto-Urteil will die ABDA „vorsichtige positive Signale“ wahrgenommen haben. Ob das Apothekenhonorar angehoben wird? Das bleibt im Dunkeln. Es bestehe an diesem Punkt „auch innerhalb der Bundesregierung noch Klärungsbedarf, heißt es aus dem Ministerium (der Referentenentwurf befinde sich derzeit noch in der Ressortabstimmung). Beide Seiten wollten zu diesen Themen weiterhin im Gespräch bleiben. Mein liebes Tagebuch, sieht mehr als düster aus.

 

5. Juni 2024

Neuer Kopf der Gematik soll laut Medienberichten Florian Fuhrmann werden. Die Gesellschafterversammlung der Gematik wird am 12. Juni auf Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die neue Geschäftsführung bestellen. Fuhrmann wird dann den 2023 ausgeschiedenen Markus Leyck Dieken ersetzen. Was ist über Fuhrmann bekannt? Er soll umfangreiche Erfahrungen im digitalen Gesundheitswesen mitbringen. So hatte er im April 2024 die Geschäftsführung der Kosyma GmbH übernommen. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben zertifizierte Komponenten zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) und entwickelt Lösungen wie den TI-Messenger, der die Kommunikation im Gesundheitswesen verbessern soll. Mein liebes Tagebuch, dann, so besteht die Hoffnung, wird er wohl die Schwachstellen des Systems erkennen und für Abhilfe sorgen. Ja, die Apotheken werden mehr und mehr von der digitalen Technik abhängig und damit auch von der Gematik.

 

6. Juni 2024

Pressekonferenz der ABDA zum Tag der Apotheke. Mein liebes Tagebuch, erfuhren wir da irgendetwas Neues, was wir bisher noch nicht gewusst haben? Ähm, nein. Mit dem Motto der PK war im Prinzip alles gesagt: „Apotheken unter Druck“. Also, mit den Statements der ABDA und Adexa konnten die Medien eintauchen in die gesamte desolate Kaskade des mittlerweile seit Jahren bekannten Desasters: Honorarstillstand seit 11 Jahren, Personal- und Lieferengpässe, Überbürokratisierung, rasant fallende Apothekenzahlen und einer Apothekendichte, die sich auf den hintersten Rängen in der EU befindet. Und dann noch die schlimmen Auswirkungen der angekündigten Apothekenreform: Honorarumverteilung, Apotheken unter PTA-Führung mit all den Folgen wie Wegfall von z. B. Rezepturen, Notdiensten und BtM-Abgabe. Das alles wirke sich zum Nachteil der Patientinnen und Patienten aus, so die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Und so warnten ABDA und die Apothekengewerkschaft Adexa gemeinsam auf dieser PK vor einem Zusammenbruch der Versorgungsstrukturen. Dabei verkaufe Lauterbach diese Reform als innovativ und fortschrittlich – das Gegenteil sei der Fall, so Overwiening, die GKV habe bereits vor zehn Jahren die von PTA geführten Filialapotheken vorgeschlagen, die dann per „Teleassistenz“ mit der Hauptapotheke kommunizieren sollten – heute finde sich das in Lauterbachs Eckpunktepapier wieder unter dem Begriff Telepharmazie. Ganz abgesehen davon, so Overwiening vollkommen richtig, sei dies keine Telepharmazie, „weil eine echte Telepharmazie sich stets zwischen Apotheke und Patient abspielt“.

Dabei, so Overwiening, wisse man aus einer aktuellen Patientenumfrage (mein liebes Tagebuch, die wievielte Umfrage ist das eigentlich?), dass die Bevölkerung den Apotheken mehr Freiheit bei der Arzneimittelauswahl zugestehen würde, dass die Patienten auch weiterhin Rezepturherstellung und Notdienste möchten und überhaupt: Die Bevölkerung möchte natürlich auch auf die Apotheke vor Ort nicht verzichten und klar, die Umfrageteilnehmenden würden selbstverständlich eine Vergütungserhöhung für die Apotheken begrüßen. Bei allen Antworten gab’s eine Zustimmung, die zwischen 93 und 98 Prozent lag. Mein liebes Tagebuch, mal Hand aufs Herz, das hätten wir aufgrund dieser Fragen auch vorher gewusst – wie will man mit einer solchen Umfrage das Ministerium beeindrucken? Machen wir’s kurz: Die PK zeigte, was die Apotheken alles nicht bekommen, was für die Patientinnen und Patienten auf der Strecke bleiben könnte, und wie ungerecht alles ist. Ja, alles richtig, alles wichtig. Aber wo sind die Angebote der Apotheken? Was leisten wir bereits und was könnten wir alles noch leisten? Wo sind unsere Angebote für die Zukunft? Warum werden unsere Leistungen, unsere Kompetenz nicht besser kommuniziert. Die Apotheken bieten doch eine Menge.

Die Argumente, dass PTA-geführte Filialen keine Rezepturen und keine Notdienste machen, sind doch nicht wirklich das Problem. Rezepturen werden schon heute in Filialverbünden nur in einer, vorzugsweise in der Hauptapotheke angefertigt. Und Notdienste würden so manche Filialverbünde doch liebend gern auch nur in einer Apotheke leisten wollen. Das Problem ist doch, dass die permanente apothekerliche Fachkompetenz vor Ort fehlt! Alles in allem fünf Jahre Pharmaziestudium – es ist zurecht die zwingende Voraussetzung, um eine Apotheke zu eröffnen und zu führen, darin steckt doch ein starkes Stück an Wissen und Kompetenz. Das lässt sich nicht durch eine PTA mit Kopfhörer und Smartphone-Verbindung ersetzen. Warum stellen wir nicht dies einfach stärker heraus? Oder würde Lauterbach auch Arztpraxen zulassen, die von einer Medizinisch-technischen Assistentin oder einer medizinischen Fachangestellten geführt werden? Und dass wir nach elf Jahren ohne Honoraranpassung um eine Erhöhung kämpfen, das ist mehr als recht und billig, das versteht jeder, auch die Bevölkerung (siehe Umfrage). Zumal die Apotheken, wie Overwiening in der PK auch sagte, nur 1,9 Prozent der gesamten GKV-Ausgaben betragen. Man sollte viel stärker herausstellen, welches Leistungsportfolio, welche exorbitant gute Vollversorgung die Gesellschaft für diese niedlichen 1,9 Prozent erhält!

Dass aber diese 1,9 Prozent mittlerweile nicht mehr ausreichen, zeigte auch das Statement von Adexa: Die Apotheke kann keine leistungsgerechten Löhne mehr bezahlen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern in andere Zweige ab, ein Grund für den Personalmangel. Ein nur geringer Zuschlag von 80 Cent aufs Apothekenhonorar könnte für alle Apothekenangestellte eine Lohnerhöhung von 10 Prozent bedeuten, rechnet Adexa vor.

Mein liebes Tagebuch, so weit also die Lage: Wir erlebten eine ABDA, die klagt und verzagt, die wenig Selbstbewusstsein zeigt, die es mit einem Bundesgesundheitsminister zu tun hat, der sie nicht wirklich versteht oder verstehen will. Und was nun? Darauf angesprochen, welche Strategie denn nun die ABDA nach dem ernüchternden Treffen mit Lauterbach verfolge und wie man zur Forderung der Apothekerverbände aus Thüringen und Hessen stehe, die sich für neue Proteste einsetzen, meinte Overwiening nur, man bleibe im Dialog und wolle die Pläne begleiten und den begonnenen Prozess fortführen. Auf die Forderungen nach Protesten ging sie nicht ein. Auch auf die Frage, wie viele Apotheken wir denn in Deutschland brauchen, meinte sie, man müsse das differenziert betrachten und drückte sich um Zahlen. Mein liebes Tagebuch, was nehmen wir aus dieser Pressekonferenz zum Tag der Apotheke mit? Die ABDA steht an der Wand, hat offensichtlich nicht wirklich eine Strategie, zeigt wenig Selbstbewusstsein. Viel Mimimi, wenig strong power.

 

Die Apothekenvergütung muss endlich angepasst werden, sagte Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, auf der Delegiertenversammlung ihrer Kammer. Sie forderte die Politik erneut auf, endlich das Apothekenhonorar anzupassen. Ja, mein liebes Tagebuch, es ist DIE zentrale Forderung. Steigende Kosten haben die Apotheken in den vergangenen Jahren ohne jede Honoraranpassung mehr und mehr belastet. Die Zuwächse durch mehr Umsatz und durch die 3-Prozent-Marge haben die Mehrkosten nicht aufgefangen. Was die Kammerpräsidentin auch sagte: „Die Mischkalkulation gibt es nicht mehr.“ Früher habe die Apotheke auch mal eine defizitäre Rezeptur herstellen oder einen defizitären Nachtdienst erbringen können, so Overwiening, aber dieses Konzept gehe nicht mehr auf. Richtig, mein liebes Tagebuch, im Prinzip sind mittlerweile alle unsere Leistungen defizitär. Also, wann versteht die Politik, dass die Apotheken eine faire Honorierung brauchen. Zur Erinnerung: Die ABDA kämpft seit Monaten für eine Anhebung des Fixums auf 12 Euro je Rx-Packung – erfolglos. Die Politik scheint bisher nur bereit zu sein, den Nachtdienstzuschlag leicht zu erhöhen. Aber letztlich sind solche Erhöhungen nur Kosmetik. Wenn das Grundhonorar, unser Fixum nicht angehoben wird, werden weiterhin Apotheken schließen. Während die Politik z. B. große Kaufhäuser mit Zuschüssen und Krediten von Millionen Euro vor Insolvenz und Schließungen bewahren will, sieht sie eine Erhöhung des Apothekenhonorars nach elf Jahren nicht für notwendig an – obwohl täglich mehr als eine Apotheke für immer schließt. Dabei betragen die Ausgaben der GKV für die Apotheken und ihre Leistungen lediglich 1,9 Prozent der Gesamtausgaben. Eine Vermutung der Kammerpräsidentin: „Vielleicht will man uns auch nicht sehen, und dann nützen die besten Argumente nichts.“ Sollte das so sein, dann sollten wir jetzt endlich unseren Überlebenskampf mobilisieren: Wir müssen laut und sichtbar werden! Wir bieten der Gesellschaft eine hervorragende Leistung, aber die muss gewürdigt werden, auch finanziell. 

 

Kammerwahl in Westfalen-Lippe: Wie viele Kammermitglieder werden sich diesmal an der Wahl beteiligen und ihre Stimme abgeben? Kammerwahlen laufen bei vielen Apothekerinnen und Apothekern unterm Radar, die Wahlbeteiligung in anderen Bundesländern liegt meist im Bereich zwischen 20 und 30 Prozent (letzte Kammerwahl in Niedersachsen nicht mal 23 Prozent). Warum ist das eigentlich so? Der Aufwand zu wählen, ist doch minimal: Man schaut sich die Kandidatinnen und Kandidaten an und füllt einen Stimmzettel aus… Woran also liegt’s? Am berufspolitischen Desinteresse? Am Frust, dass die Gewählten vermeintlich eh nichts bewirken können? Im Kammerbereich Westfalen-Lippe lag die Wahlbeteiligung in den letzten Jahren immerhin bei 40 Prozent. Damit dieser Wert noch höher wird, meldet sich der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen zu Wort. In einer Videobotschaft wirbt Karl-Josef Laumann (CDU) dafür, ein Zeichen zu setzen und sich an der aktuell laufenden Kammerwahl zu beteiligen. Ihm sei dies auch wichtig für die Freiberuflichkeit, für die das Kammersystem eine Stütze ist. Laumann wörtlich: „Ich wäre sehr froh, wenn Sie durch eine hohe Wahlbeteiligung deutlich machen würden, dass das Kammersystem nichts von gestern ist, sondern dass hier der Berufsstand ganz klar sagt: Das möchten wir auch für die Zukunft erhalten.“

 

7. Juni 2024

Unterstützung für die Apotheken kommt vom Verband „Pharma Deutschland“, dem früheren Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller BAH. Zum Tag der Apotheke am 7. Juni betont der Verband in einem Statement, wie unverzichtbar Apotheken sind als Anlaufstellen für Fragen rund um Gesundheit und Prävention. Mit fünf Hauptargumenten bringt Pharma Deutschland die wichtige und unverzichtbare Rolle auf den Punkt: Mehrwert bei der Rx-Abgabe, Entlastung des Gesundheitssystems, individuelle und kompetente Beratung der Menschen, Unterstützung bei der Selbstmedikation, Unterstützung von präventiven Maßnahmen und der Gesundheitskompetenz der Menschen. Mein liebes Tagebuch, Dank an Pharma Deutschland! Will die Politik diese Argumente ignorieren?

 

50 Cent fürs Lieferengpass-Management – das hat Lauterbach den Apotheken großzügigerweise zugestanden. Wir wissen alle, dass dies ein Hohn ist. 50 Cent decken nicht im Entferntesten die Kosten ab, die der Apotheke für die Arbeit entstehen, Arzneimittel auszutauschen oder ein Ersatzarzneimittel zu finden, wenn das verordnete Präparate nicht lieferbar ist. Nur zur Erinnerung: Die ABDA forderte seinerzeit 21 Euro für diese Arbeit, konnte sich damit aber, ganz klar, nicht durchsetzen. Und ließ es dann auf sich beruhen. Die Freie Apothekerschaft (FA) will sich damit nicht zufrieden geben und hat ihre Anwälte auf diese 50-Cent-Pauschale angesetzt. Sie wollen wissen, welche Erwägungen der konkreten Höhe der Engpasspauschale zugrunde liegen, wie sich der Betrag rechnerisch zusammensetzt und ob das BMG davon ausgeht, dass dieser Betrag dem tatsächlichen Mehraufwand der Apothekerinnen und Apotheker gerecht wird. Die Anwälte haben einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ans Bundesgesundheitsministerium (BMG) gestellt. Mein liebes Tagebuch, es ist vollkommen klar, dass die 50 Cent in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen. Aber, wie ist das Ministerium eigentlich auf diese 50 Cent gekommen? Wie wird begründet, dass es nicht 20 Cent oder 2 Euro oder 21 Euro sind? Mein liebes Tagebuch, gut dass da endlich mal nachgefragt wird. Und so nebenbei gefragt: Warum hat die ABDA da nicht nachgefragt?

 

Hand aufs Herz, mein liebes Tagebuch, wie oft haben wir das schon gehört in den letzten Jahren: Die ABDA ruft die Apothekers zur Geschlossenheit auf! Immer und immer wieder, immer wenn es brenzlig wurde, rief die ABDA zur Geschlossenheit auf. Ja, alles gut, aber was hat’s gebracht? Und was ist mit Geschlossenheit gemeint? Geschlossen in den Abgrund stürzen? Jetzt ruft der Chef des Deutschen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, wieder zur Geschlossenheit auf angesichts der Tatsache, dass Lauterbach sich beim Apothekenhonorar stur stellt. Intern könne man gerne diskutieren, aber nach außen bitte Geschlossenheit zeigen. Was soll das bedeuten?Hubmann ruft dazu vor dem Hintergrund auf, dass es schwer sei, bei Lauterbach Argumente anzubringen. Außerdem würden SPD-Politiker entgegnen, dass lautstarke öffentlichkeitswirksame Apothekerproteste rechte Parteien stärken würden. Daher, so Hubmann, bleibe nur, mit geeigneten Maßnahmen zu zeigen, dass es den Apotheken nicht gut geht, und individuelle Überzeugungsarbeit zu leisten. Mein liebes Tagebuch, welche „geeigneten Maßnahmen“ sollten es nach Ansicht Hubmanns denn sein? Nein, so funktioniert das nicht. Schön brav Ruhe bewahren und jeden geistigen Auswurf Lauterbachs hinnehmen, das kann’s nicht sein. Richtig ist natürlich, wir können die Politik nicht zwingen, aber wir können unsere Meinung laut kundtun. Und warum nicht mit Protesten! Selbst die ABDA-Präsidentin vermutet, dass man die Apothekers vielleicht gar nicht nicht sehen will und da nützen dann die besten Argumente nichts. Richtig, aber wie soll man sich dann bitteschön bemerkbar machen? Geschlossen stillhalten hilft da erst recht nicht weiter. Die ABDA hat in der Honorarfrage schon 20 Jahre weitgehend still gehalten…

 

Noch ein Lesetipp fürs Wochenende: In der Zeitschrift AWA findet sich ein Beitrag zu den externen Betriebsvergleichszahlen 2023. Er zeigt deutlich: Die Apothekenumsätze sind zwar gestiegen, aber die Apotheken konnten diese Mehrerlöse im letzten Jahr nicht auf die Ergebnisseite retten. Wareneinsatz und höhere Kosten haben die Mehrerlöse aufgezehrt. Die Folge: ein deutliches Minus von über 21 Prozent in den alten und von 11 Prozent in den neuen Bundesländern. Gibt es da noch Anlass zu Optimismus? Den Beitrag finden Sie hier.


Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

Verstehen

von Reinhard Rodiger am 09.06.2024 um 18:51 Uhr

Einen Vorstand , der nur vermeldet , dass etwas nicht geht , den braucht man nicht. Wie soll die Politik verstehen und zuhören , wenn Positionen nicht offensiv vertreten werden ?
In Frankreich und UK gibt es Bewegung , da wird gekämpft.
Drastische Reduktion der Finanzmittel (UK) und starke Gewerkschaften (Frankreich) schaffen Öffentlichkeit.
Die ist notwendig angesichts der Ignoranz der Politik.
Dort wird von Desaster und Endzeit gesprochen . Laut.

Wann nicht jetzt ist der Zeitpunkt , aus dem Schatten zu kommen , ohne Bitten und Klagen.Einfach die anstehenden
Führungsaufgaben erledigen. Leider hört die Politik nur auf
unsere offiziellen „Vertreter“. Wer hört etwas ?

Der wichtigste Vertreter unserer wirtschaftlichen Interessen ist
nicht wirksam wahrnehmbar. So kann Politik ihr Handeln begründen.Das muss verstanden werden.



» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Hubmann hat ein völlig falsches Demokratieverständnis

von Michael Reinhold am 09.06.2024 um 14:26 Uhr

Hubmann entsetzt mich mit seinem Demokratieverständnis. Was ist denn das für eine Ausrede, dass man leise sein müsse, weil einem die SPD und die Grünen ansonsten ein illegitimes Totschlagargument entgegnen würden?

Gewählte Regierungsvertreter einer Demokratie stellen sich hin, dass man sie nicht für ihre Arbeit kritisieren dürfe. Hallo? Es ist das Wesen einer funktionierenden Demokratie, dass die gewählten Vertreter tagtäglich für ihre Arbeit kritisiert werden - von der Presse, aber auch von Interessensgruppen wie uns Apothekern. In einem Staat, in dem man die gewählte Regierung nicht mehr öffentlich kritisieren darf, möchte ich nicht leben.

Hubmann muss sich hinstellen und solche Kritik als das entlarven, was sie ist: Ein pures Totschlagargument - ein unsachliches Argument, mit dem man jede Kritik tot schlägt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Hubmann hat ein völlig falsches

von Dr.Diefenbach am 09.06.2024 um 15:19 Uhr

...ich frage mich ob der Kollege H.überhaupt verstanden hat,WIE unser politisches System funktioniert oder ob Alles in der Hinterecke untergegangen ist ,nachdem er Vorstand des DAV wurde.SOLCHE Argumente sind armselig, kleinkariert,und eigentlich sollten Leute wie der Kollege
besser einer Tätigkeit nachgehen bei der die offenbar eigene Geschmeidigkeit nicht so auffällt-
Ich stelle fest dass solche PolitiANTIprofis wie Herr Hubmann viel Anteil an der Missachtung haben,die uns entgegengebracht wird.
SCHLIMM und traurig dass devote Haltung auch noch durch Postenentgelt im berufseigenen Stand honoriert wird....


Wir werden weiterhin lautstark Protestieren.

von Dr. Radman am 09.06.2024 um 9:53 Uhr

“Außerdem würden SPD-Politiker entgegnen, dass lautstarke öffentlichkeitswirksame Apothekerproteste rechte Parteien stärken würden”,so Hubmann. Also, ich soll als Apotheker mein Untergang hinnehmen und nicht für mein Recht und für Rechte meine Mitarbeiter auf Honorierung lautstark protestieren , damit die SPD bequem hat, rechte Parteien nicht mit Argumenten zu entgegnen.Das ist ziemlich bequem für die SPD uns platt zu machen und davon politisch zu profitieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, finden Sie solche Begründungen wirklich akzeptabel?. Ich finde es ziemlich Dumm , uns zu politischen Helfer der SPD instrumentalisieren zu lassen.Warum sollten wir es tun? Was hat die Ampel für die Patienten und für die Berufsgruppe getan? . Unfassbar!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Schweigen…hilft nicht!

von Ulrich Ströh am 09.06.2024 um 9:04 Uhr

Von unserer ABDA kommt nur Wehklagen und Jammern,während man sich an der Berliner Klagemauer gemütlich eingerichtet hat.

Zustimmung für unsere Position aus der Politik kommt nur aus der Opposition, ist also aktuell wertlos…

Bei Kammerwahlen,wie aktuell in NS, gibt es bereits 80 Prozent Nichtwähler bei Apothekern.

Gibt es nirgendwo in den Ländern Widerstand dagegen, das es so geschlossen für uns in den aktuellen Niedergang geht?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wohin geht die Reise?

von Beldowitz am 09.06.2024 um 7:47 Uhr

Was passiert gerade in Deutschland?

SPD Politker fordern dazu auf politischen Gegnern die Zähne einzuschlagen ( https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/polizei-prueft-musikvideo-von-spd-lokalpolitiker-rhein-selz-100.html ) Der Chef der Deutschen Börse sieht Deutschland auf dem Weg zum Entwicklungsland ( https://www.derwesten.de/politik/habeck-wirtschaft-boerse-chef-deutschland-id300994708.html ) Marcello Daniele berichtet heute in der BAMS, dass er sich vor Aufträgen nicht retten kann. Er begleitet Firmen bei der Umsiedlung. Weg aus Deutschland.
Und KL hat nichts anderes zu tun, als das Gesundheitssystem endgültig zu ruinieren.
Deutschland Quo vadis?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wohin geht die Reise

von Thomas Beck am 09.06.2024 um 15:45 Uhr

https://www.youtube.com/watch?v=trYO5KtLq0Q
Wirtschaftsbeirat Bayern, Tagung am 17.4.2024, Hotel Bayerischer Hof, u.a. mit Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse AG:
"Die Gespräche mit den Investoren haben fatalistischen Charakter. Die Investoren sagen, wenn ihr so weitermacht, werden wir euch noch weiter meiden, werden noch weiter rausgehen aus Deutschland."
Die Gespräche mit dem Vizekanzler Habeck seien eine "schiere Katastrophe".
Immerhin: K.L. ist nicht das einzige Problem!

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