Umstrukturierungen bei Noventi

„Am Engagement bei gesund.de ändert sich nichts“

12.01.2023, 17:50 Uhr

Gesund.de betrachtet man bei der Noventi als Zukunftsprojekt. (Foto: Screenshot/DAZ)

Gesund.de betrachtet man bei der Noventi als Zukunftsprojekt. (Foto: Screenshot/DAZ)


Im Zuge der Umstrukturierungen bei Noventi sollen auch die Beteiligungen des Unternehmens auf den Prüfstand gestellt werden. Da drängt sich die Frage auf, was das für die Plattform gesund.de bedeutet, deren größter Gesellschafter neben Phoenix die Noventi ist. Zumal die Plattform bislang nicht so richtig zum Fliegen kommt und das Geschäftsmodell bröckelt.

Noventi ist auf Sparkurs: Es wird massiv Personal abgebaut. Mehr als ein Fünftel der Belegschaft muss gehen. Der oberste Führungskreis wird von 22 Positionen auf zwölf Führungskräfte nahezu halbiert. Zudem will das Unternehmens einen Software-Gemischtwarenladen ausmisten und sich von drei seiner fünf Softwarelinien trennen. Auch sollen sämtliche Beteiligungen kritisch unter die Lupe genommen werden. So will man sich beispielsweise aus dem Marktsegment Pflege ganz verabschieden. Der Verkauf von Noventi Care soll in diesem Jahr abgeschlossen werden, sagte Finanzchef Frank Steimel gegenüber dem Handelsblatt.

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Festhalten will man allerdings an gesund.de. Die Plattform wurde gemeinsam mit dem Großhändler Phoenix ins Leben gerufen. Beteiligt sind daran unter anderem Rowa, der Wort & Bild Verlag und die Sanacorp. Noventi ist mit der Phoenix-Tochter ADG der größte Gesellschafter. Auf Nachfrage erklärt ein Noventi-Sprecher: „An unserem Engagement bei gesund.de ändert sich nichts. Wir haben immer betont, dass wir uns neben der Fokussierung auf unser Kerngeschäft, Rezeptabrechnung, Warenwirtschaftssysteme, Branchensoftware, auch weiterhin ausgewählte Zukunftsprojekte verfolgen werden. Gesund.de zählt als solches dazu. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass der Omni-Channel-Weg für die Vor-Ort-Apotheken mit Blick auf die Digitalisierung der beste Weg ist. Die Kundenerfahrungen von gesund.de bescheinigen uns genau das. Wir sehen zunehmend Apotheken, die diesen Weg erfolgreich für sich einsetzen.“

Auch Peter Schreiner, Geschäftsführer von gesund.de, erklärt gegenüber der DAZ, der Umbau von Noventi habe unmittelbar keine Auswirkungen auf gesund.de. Noventi habe wiederholt erklärt, dass man gesund.de als wichtiges Zukunftsfeld betrachte und an der Beteiligung festhalte.

Plattform-Modell bröckelt

Auch wenn es bei allen Beteiligten selbstverständlich klingt, an gesund.de festzuhalten – angesichts der Entwicklungen der letzten Zeit könnten durchaus Zweifel an dem Modell aufkommen. Denn Plattformen wie gesund.de waren eine Wette aufs E-Rezept. Die Idee: den Patient:innen einen komfortablen Weg zu bieten, ihre E-Rezepte an eine Apotheke ihrer Wahl zu schicken und über dieselbe Plattform mit dem demselben Account auch alles andere aus der Apotheke der Wahl beziehen zu können. Durch die Transaktionsgebühren wollten die Anbieter bei jeder Bestellung mitverdienen.

Doch dieses Geschäftsmodell bröckelt auf allen Ebenen. Zum einen stockt das E-Rezept nach wie vor. Zum anderen hat der Gesetzgeber deutlich gemacht, dass Drittanbieter, wie gesund.de, keinen direkten Zugriff auf die E-Rezept-Token bekommen. Die sollen ausschließlich in der Gematik-App landen und dort auch bleiben. Patient:innen bleibt, den Token abzufotografieren und das Bild zu senden. Eine direkte Weiterleitung wäre so viel komfortabler gewesen. Und auch das Gebührenmodell bröckelt. Dafür sorgt die Kammer Nordrhein, die der Auffassung ist, dass von den Apotheken erhobenen umsatzbezogenen Transaktionsgebühren, wie es sie auch bei gesund.de gibt, einen Verstoß gegen das Apothekengesetz darstellen.  Eine wettbewerbsrechtliche Unterlassungsklage läuft bereits. In einem ähnlichen Fall, in Bezug auf die Plattform von DocMorris, teilte das Landgericht Karlsruhe die Rechtsauffassung der Kammer. Es hält es für „nicht zulässig, für Apotheken eine Online-Plattform bereitzustellen, über welche Apotheken Arzneimittel an Patienten verkaufen können, wobei der Marktplatzbetreiber von den teilnehmenden Apotheken eine monatliche Grundgebühr und eine umsatzabhängige Transaktionsgebühr (letztere auf Verkäufe von rezeptfreien Arzneimitteln) verlangt“.

Auch Pharmafakt bleibt

Eine weitere Beteiligung, an der man seitens Noventi festhalten will, ist die an der Pharmafakt – eine Consulting-Firma, die mit Daten arbeitet, die bei der Rezeptabrechnung in den Apothekenrechenzentren gewonnen werden – in anonymisierter Form. Gesellschafter sind neben der Noventi die Apothekerverbände der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen sowie das ARZ Haan.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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