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Betreuung bei oraler Antitumortherapie

05.12.2022, 16:00 Uhr

Mit Krebspatienten ins Gespräch zu kommen, erscheint vielen auf den ersten Blick schwierig. Dabei sind schwer kranke Menschen oft froh, sich mit jemandem auszutauschen zu können. (x / Foto: Pixel-Shot/AdobeStock)

Mit Krebspatienten ins Gespräch zu kommen, erscheint vielen auf den ersten Blick schwierig. Dabei sind schwer kranke Menschen oft froh, sich mit jemandem auszutauschen zu können. (x / Foto: Pixel-Shot/AdobeStock)


Die Therapie krebskranker Patienten hat sich geändert. Immer mehr von ihnen werden ambulant behandelt und häufig ist eine orale anstelle einer parenteralen Therapie möglich. Eine gute pharmazeutische Betreuung wird in Studien als Garant für eine nachhaltige Anwendung von oralen Krebsmedikamenten beschrieben. Dies zeigt, wie wichtig die Umsetzung der „Pharmazeutischen Betreuung bei oraler Antitumortherapie“ als neue Dienstleistung in möglichst vielen Apotheken ist.

Immer mehr Krebspatienten bekommen Tabletten oder Kapseln zum Einnehmen gegen ihre Tumorerkrankung. Apotheken können nun gezielt durch eine intensivierte pharmazeutische Betreuung und Medikationsberatung bei oraler Antitumortherapie als pharmazeutische Dienstleistung dazu beitragen, dass arzneimittelbezogene Probleme rechtzeitig erkannt und gelöst werden. Einmalig innerhalb der ersten sechs Monate einer neuen, ambulant durchgeführten, erstmaligen oder zusätzlichen oralen Antitumortherapie (Folgetherapie) haben Krebspatienten Anspruch auf eine intensivierte pharmazeutische Betreuung. 

Die Leistung entspricht der „Erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation“ unter Berück­sichtigung der Besonderheiten der oralen Antitumortherapie. Seit Juni 2022 können Apotheken diese wertvollen Dienstleistungen direkt mit den Krankenkassen abrechnen – das Honorar beträgt 90 Euro netto für das Erstgespräch. Zwei bis sechs Monate nach dem Erstberatungstermin ist eine erneute Beratung in Form eines Zweitgesprächs möglich, was mit 17,55 Euro netto honoriert wird. Die Standesvertretung der Apo­theker hat lange dafür gekämpft, dass diese Extra-Leistungen fair vergütet werden – diese wertvolle Chance und Kompetenzerweiterung sollten möglichst viele Apotheker baldmöglichst nutzen!

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Die selbstständige Einnahme oraler Tumortherapeutika erhöht die Lebensqualität der Patienten deutlich, verringert aber auch die Kontakte mit dem Behandlungsteam, was oftmals zu Einnahmefehlern oder vermeidbaren Nebenwirkungen führt. Hier ist eine persönliche und kompetente pharmazeutische Beratung gefragt. Denn: Tumortherapeutika sind stark wirksame und besonders erklärungsbedürftige Medikamente. Bei den Wirkstoffen handelt es sich häufig um Substanzen mit enger therapeutischer Breite, was einen besonderen Umgang erfordert. Hinzu kommen teilweise komplexe Therapieschemata, die der Patient alleine zu Hause bewältigen muss. Besonders wichtig ist es, die vom Arzt festgelegte individuelle Dosierung genau zu beachten und eventuell vorgeschriebene Therapiepausen zuverlässig ein­zuhalten, um eine versehentliche Überdosierung zu vermeiden.

Intensivierte Betreuung wirkt

Dass die Sicherheit von Behandlungen mit oralen Tumorthera­peutika durch eine intensivierte pharmazeutische Betreuung von Patienten erhöht werden kann, hat eine Arbeitsgruppe der Universität Erlangen mithilfe der von der Deutschen Krebshilfe geförderten AMBORA-Studie bewiesen. Etwa 200 Patienten, die eine Neuverordnung von einem oralen Tumortherapeutikum erhielten, wurden in dieser multizentrischen Untersuchung zwölf Wochen lang begleitet. Die eine Hälfte der Patienten bekam eine intensivierte Betreuung mit mündlichen und schrift­lichen Patienteninformationen sowie vier zusätzlichen Beratungsgesprächen, die von klinischen Pharmakologen und Pharmazeuten durchgeführt wurden. 

Durch die intensivierte Betreuung traten im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich weniger schwere Nebenwirkungen und Einnahmefehler auf, zudem gab es weniger Therapieabbrüche. Dadurch wurden auch Verwürfe der teuren Medikamente vermieden, was angesichts steigender Verordnungszahlen und Therapiekosten in der Onkologie zu einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung beiträgt.

Keine Scheu vor der Ansprache

Mit Krebspatienten ins Gespräch zu kommen, erscheint vielen auf den ersten Blick schwierig. Dabei sind schwer kranke Menschen, die häufig aufgrund ihrer Erkrankung wenig Kontakt zu anderen Menschen haben, oft froh, sich mit jemandem auszutauschen, der idealerweise auch noch nützliche Hinweise zu der Erkrankung oder zu den verordneten Medikamenten geben kann. Denn für Krebspatienten sind die Handlungsempfehlungen zur Einnahme ihrer neu verordneten Medikamente anfangs oft verwirrend und schwer zu verstehen. Gemeinsam mit dem betreuenden Onkologen können Apotheker durch die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen zu einer sicheren und erfolgreichen Krebstherapie beitragen und dadurch auch treue und dankbare Kunden gewinnen.

Welche Voraussetzungen Apotheker haben müssen, um die neue pharmazeutische Dienstleistung anbieten zu dürfen, und wie der Einstieg klappt, erklärt Apothekerin Dr. Irina Treede in AZ 2022, Nr. 49, S. 6.


Apotheker Zeitung (AZ)
redaktion@daz.online


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