Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

25.09.2022, 07:30 Uhr

Es gibt Geld für die ersten pharmazeutischen Dienstleistungen... (Foto: Alex Schelbert)

Es gibt Geld für die ersten pharmazeutischen Dienstleistungen... (Foto: Alex Schelbert)


21. September 2022

Nein, es kann uns Apothekers nicht gefallen, wenn Arzneimittelfirmen bei der Werbung für ihre Produkte auf den Internetseiten auch noch auf ausländische Versender verlinken. Apothekerin Margit Schlenk macht ihrem Ärger darüber Luft: Sie schreibt an den Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) und warnt vor Konsequenzen: Diese Hersteller setzen ihre enge Beziehung mit den Vor-Ort-Apotheken aufs Spiel, so die Apothekerin. Wenn einige Hersteller Werbung für rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die eigentlich apothekenexklusiv vertrieben werden, in den Sozialen Medien schalten, komme das bei ihr ebenso wie bei den Kolleginnen und Kollegen gar nicht gut an, so Schlenk, sie empfänden dies „als Schlag ins Gesicht der beratenden Vor-Ort-ApothekerInnen und PTA“. Mein liebes Tagebuch, den Ärger über das Verhalten so mancher Arzneimittelhersteller kann man voll und ganz verstehen. Sie wandte sich mit ihrem Brief an den BAH. Dessen Hauptgeschäftsführer, Dr. Hubertus Cranz, von Haus aus Apotheker, ließ keinen Zweifel daran, dass der BAH „schon immer und auch zukünftig ein starker Partner und Unterstützer der inhabergeführten Apotheke vor Ort“ war und ist. So habe sich der BAH in zahlreichen Initiativen gezielt für die Präsenzapotheken eingesetzt. Dass einzelne Hersteller ihre Produkte online bewerben und zum Beispiel auf die Seite der „Shop Apotheke“ verlinken, ändert nichts daran, dass der Verband sich den stationären Apotheken verbunden fühlt, lässt Cranz wissen. Mein liebes Tagebuch, das können wir nur unterstreichen: Der BAH hat erst vor Kurzem eine breit angelegte Kampagne gestartet mit Videos und Image-Anzeigen pro Apotheke vor Ort. Wenn aber einzelne Mitgliedsunternehmen des Verbands meinen, die Beziehung zu den stationären Apotheken aufs Spiel setzen zu müssen mit Internet-Links zu EU-Versendern, dann kann auch ein Verband nur wenig dagegen tun: „Es ist deren individuelle unternehmerische Entscheidung, die sich aus deren Wettbewerbssituation ergibt“, betont Cranz. Mein liebes Tagebuch, ganz machtlos sind Vor-Ort-Apotheken allerdings nicht. Apothekerin Schlenk weist darauf hin, dass viele Kolleginnen und Kollegen bereits Konsequenzen ziehen: Sie listeten Sortimente aus, wenn „so unpartnerschaftliches Verhalten an den Tag gelegt wird“.

 

Der Deutsche Apothekertag (DAT) hat es nicht geschafft, sich eine Meinung zur Homöopathie zu bilden, obwohl derzeit immer häufiger in den Medien und auf verschiedenen Kanälen das Pro und Kontra diskutiert wird. Dabei gab es auf dem DAT zwei Anträge, die eine Steilvorlage boten, wie sich Deutschlands Apotheken offiziell dazu positionieren wollen. Ausdiskutiert wurde nichts, statt dessen ging man in beiden Fällen zum nächsten Antrag über. Sieht nach Wegducken oder Kneifen aus. Aber die Homöopathie, ihre Befürworter und Gegner bleiben. Aktuell hat die Wissenschaftsjournalistin und Homöopathie-Kritikerin Mai Thi Nguyen-Kim in ihrer Sendung den inkonsequenten Umgang der Behörden mit der Homöopathie kritisiert. Sie vertritt den Standpunkt: Entweder handele es sich bei Homöopathika um wirksame Arzneimittel, dann müsse man sie auch als solche behandeln, oder eben nicht. Diese Diskrepanz versucht sie am Beispiel eines mit Globuli gesüßten Eistees namens HomöopaTea zu verdeutlichen. Darf man so etwas in den Verkehr bringen oder kollidiert das mit dem Arzneimittelrecht? Die Antworten der Behörden zu dieser Frage zeigen die Schwierigkeiten auf. Mein liebes Tagebuch, auch vor diesem Hintergrund: Schade, schade, dass der Deutsche Apothekertag die Chance verpasst hat, deutlich zu machen, dass – egal wie man zur Wirkweise steht – Homöopathika nicht aus Apotheken in Drogeriemärkte, Discounter oder zweifelhaften Internetshops abwandern sollten. Dann nämlich fehlt Rat aus der Apotheke, wann bei einem gesundheitlichen Problem die Grenze der Homöopathie und vielleicht sogar der Selbstmedikation erreicht ist – zum Nachteil der Patientinnen und Patienten.

 

Die gute Nachricht: Apotheken haben erstmals eine Auszahlung für erbrachte pharmazeutische Dienstleistungen erhalten. Ihren Bescheid erhielten sie vom Nacht- und Notdienstfonds des Deutschen Apothekerverbands. Allerdings war das erst ein Auftakt: Ausgezahlt wurden insgesamt knapp 7000 Euro für 89 Apotheken. Nun ja, ein Anfang ist gemacht, da ist noch Luft nach oben. Aber man muss erstmal damit beginnen. Und welche Leistungen wurden erbracht? 97 Kunden wurden in der Benutzung eines Inhalators geschult und bei 89 Hypertonie-Patienten wurde ein standardisierter Blutdruck-Check durchgeführt. 31 Patienten konnten bereits von einer erweiterten Medikationsberatung profitieren. Also, weiter so, das Honorar fließt, die Auszahlungswege funktionieren. Mein liebes Tagebuch, auch wenn die Honorare für Dienstleistungen alles andere als in den Himmel wachsen – pharmazeutische Dienstleistungen können langfristig auch dazu beitragen, die Apotheken als unverzichtbare Leistungserbringer zu verankern bei Aufgaben fern von jeder Logistik: Wir sind mehr Heilberuf.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

NEUES aus der KV Hessen

von Dr.Diefenbach am 25.09.2022 um 14:18 Uhr

Lieber Herr Ditzel,sondieren Sie bitte fürs nächste Tagebuch die neuerlichen Pöbeleien des offensichtlich im Amt (vielleicht auch im Leben??)überforderten KV Hessen Vorsitzenden Herrn Dastych-so kann das ja nicht weitergehen.Dieser immerhin mal gewählte Mandatsträger übt ein rhetorisches Primitivum über uns Pharmazeuten aus,
("würden Sie sich von so jemand ein Arzneimittel verordnen lassen")derart fand ich das im Text bei der Konkurrenz, dass ich darum bitte diesem Zeitgeist doch ein Buch aus dem hauseigenen Verlag bzgl. des korrekten Umgangs miteinander zukommen zu lassen.Wie sollen Pharmazeuten UND Mediziner je eine "Einheit" bilden, wenn
derartige Frechheiten(auch Herr DOKTOR Starke war nicht zimperlich)als Leidpoller solche Thesen über unseren Beruf platzieren.Hier würde ich allerdings auch erwarten dass sich in Hessen Vorstände deutlich zu Wort melden und NICHT vornehme Zurückhaltung an den Tag legen.LAK und HAV sollten das nicht durchgehen lassen!

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: NEUES aus der KV Hessen

von Michael Reinhold am 25.09.2022 um 15:49 Uhr

Auch ich bin der Ansicht, dass sich die KV Hessen bei uns Apothekern zeitnah für ihre Äußerungen entschuldigen sollte.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Homepage der KV Hessen: https://www.kvhessen.de/
Macht die KV Hessen dort doch Werbung für die Aktion "Hessen gegen Hetze". Ziel der Aktion ist es, Hasskomentare und extremistische Internetinhalte möglichst schnell per Meldesystem zu erfassen und den Betroffenen Unterstützung zu gewährleisten.

Das, was Herr Dastych und seine Vereinigung gegenüber uns Apothekern betreibt, ist definitiv Hetze übelster Form. Ich bin gerade am Überlegen, die KV Hessen dort zu melden.

AW: NEUES aus der KV Hessen

von Torben Schreiner am 25.09.2022 um 16:24 Uhr

https://www.deutschlandfunk.de/hintergrund-arzt-oder-apotheke-100.html

Hier nochmal der gesamte Beitrag zum Anhören

Außer Rand und Band ..

von Reinhard Herzog am 25.09.2022 um 12:37 Uhr

Wer hier immer noch seinen Blick auf den Kassenabschlag und die Dienstleistungen fixiert, droht die Kontrolle über sein (wirtschaftliches) Leben zu verlieren.

Das ist doch was für die Portokasse, gemessen an der Kostenlawine, die sich gerade erst in Bewegung setzt. Allein bei den künftigen Angeboten für den Strom werden die meisten hoffentlich gut sitzen, wenn die ins Haus flattern.

Mit den vereinbarten 3% Tarif-Lohnplus zum 1.1. wird die Mehrheit in 2023 auch nicht hinkommen. Da wird man wohl ganz kräftig mit Sonderzahlungen (3.000 € ja möglich) ins Obligo gehen müssen.
Und dass viele Vorlieferanten aller Art gerade anfangen, an der Preisschraube zu drehen, sieht jeder jeden Tag ...
Zinsen werden für einige ebenfalls wieder auf den Schirm kommen.

Wer hier nicht selbst gegensteuert, wird das ganz empfindlich spüren. Auf die Politik sollte man besser nicht bauen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Außer Rand und Band

von Reinhard Rodiger am 25.09.2022 um 14:39 Uhr

Es geht doch nicht nur um privatwirtschaftliche Interessen.
Sagen Sie es doch direkt: die Hälfte wird dem Druck nicht gewachsen sein. Vorher stellt sich die eigentliche Frage: wieviel Dienstleistung ist notwendig, um gravierende Notsituationen zu vermeiden.Wieviel Verlust wird toleriert? Das ist kein privater Weg.Strukturelle Unterfinanzierung ist privatwirtschaftlich nicht zu überwinden.Lagebedingte Sonderfälle ändern daran nichts.
Ich vermisse fundierte Debatte über den „gemeinsamen“
politischen Kurs.Eine verkorkste Verhandlungsstrategie spricht genauso Bände wie die politische Abstinenz, die Versorgungsnotwendigkeiten zu erkennen.Da fehlt natürlich die Nachvollziehbarkeit.
In der Tat, die Reissleine ist individuell sicher empfehlenswert bis zwingend.Doch das ist eine Pseudolösung .Besonders,da die Konsequenzen allseitig ausgeblendet werden.Die Opposition hat Recht: Destabilisierung.Da ist Aufgeben zuwenig.Wenigstens die Verlustliste ist. diskursfähig zu machen.Das liefert die Antwort.

Effizienzreserven

von K. Stülcken am 25.09.2022 um 11:13 Uhr

Ein anderer Gesundheitsminister wäre eine Effizienzreserve gewesen. Was der in seiner Panik an Geld versenkt hat mit seinen völlig überzogenen Bestellmengen an Corona-Impfstoff und Medikamenten incl. Abgabebelohnungshonorar, hätte er besser den Krankenkassen zur Verfügung gestellt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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