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Infektionsgefahr durch Trinkgläser – genügt Spülmittel?

Stuttgart - 10.05.2022, 10:45 Uhr

Kann man sich über Trinkgläser mit SARS-CoV-2 anstecken? Das hat das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht. (Foto: fotoak80 / AdoebStock) 

Kann man sich über Trinkgläser mit SARS-CoV-2 anstecken? Das hat das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht. (Foto: fotoak80 / AdoebStock) 


Kann man sich über kontaminierte Trinkgläser zum Beispiel im Restaurant mit Corona anstecken? Oder entfernt „normales“ Spülen die infektiösen Viren? Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine Studie dazu veröffentlicht.

Dass man sich mit SARS-CoV-2 über Tröpfchen oder Aerosole von infizierten Menschen anstecken kann, ist bekannt. Wie sieht es aber mit kontaminierten Oberflächen aus – Gläser und Geschirr im Restaurant oder der Kantine beispielsweise? Die Sorge vor Ansteckung mittels Schmierinfektionen ist ein Thema seit Beginn der Pandemie. Bereits 2020 hielt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Möglichkeit, dass SARS-CoV-2 durch kontaminierte Oberflächen übertragen werden, nur in einem kurzen Zeitraum für wahrscheinlich. Es gab damals „keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen […] über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben“, erklärte das BfR seinerzeit, da Coronaviren nur wenig stabil in der Umwelt seien.

In mehr als zwei Jahren Pandemie haben wir viel gelernt über SARS-CoV-2, und auch das BfR kann nun mit neuen Daten zur Ansteckung mit SARS-CoV-2 über Oberflächen berichten. Bei Trinkgläsern gilt es wohl aufzupassen.

Warum nehmen Trinkgläser eine Sonderstellung ein?

Trinkgläser nehmen laut BfR eine „besondere Stellung“ ein: Sie kommen in direkten Kontakt mit dem Mund und der Mundhöhle, erklärt das BfR. Um herauszufinden, wie lange Coronaviren auf Trinkgläsern infektiös bleiben, hatte das BfR Versuche mit dem humanen Coronavirus 229E durchgeführt, das mit SARS-CoV-2 verwandt ist. Es dient dem BfR zufolge häufig als Modellvirus für menschliche Coronaviren und verursacht nur leichte Atemwegssymptome. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Wissenschaftler Anfang April 2022 im Fachjournal „Food Microbiology“ („Coronaviruses are stable on glass, but are eliminated by manual dishwashing procedures“).

Viren bleiben Tage infektiös auf Gläsern

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Coronaviren nach dem Trocknen auf Glas für „Tage bis Wochen“ infektiös bleiben können, wobei Temperatur und Licht die Stabilität der Viren beeinflussen: Im Dunkeln konnten sie Coronaviren über 21 Tage nachweisen, unter Tageslicht blieben sie bis zu sieben Tage stabil. Die Temperatur (und Einwirkzeit) beim Spülen spielt den Studienergebnissen vor allem dann eine Rolle, wenn das Spülmittel nur einen geringen Tensidgehalt aufweist (Coronaviren sind behüllte Viren, ihr Erbgut ist von einer Fettschicht umhüllt, die durch Tenside in Spülmitteln zerstört wird, was sie gegen fettlösende Reinigungsmittel empfindlich macht): Die meisten handelsüblichen Spülmittel inaktvierten Coronaviren innerhalb von 15 Sekunden bei einer Spülwassertemperatur von 23 °C. Bei geringem Tensidgehalt waren hingegen 60 Sekunden und 43 Sekunden Spülzeit erforderlich. Ein manuelles Gläserspülgerät (DIN 6653-3) entfernte laut BfR Coronaviren sogar mit kaltem Wasser.

Das BfR entwarnt somit: „Die Ergebnisse der BfR-Studie zeigen, dass sich sowohl beim Handspülen als auch bei der Nutzung manueller Gläserspülgeräte Coronaviren ausreichend von Trinkgläsern entfernen lassen“. Allerdings sei „Voraussetzung“, dass „ordnungsgemäß“ gespült werde. Was heißt das? Nach Ansicht des BfR sollte das Spülwasser „ausreichend häufig“ gewechselt, auf die vom Spülmittelhersteller empfohlene Spülmittelkonzentration im Spülwasser geachtet und der Schmutz (inklusive Viren) auch „ausreichend manuell“ von den Trinkgläsern beseitigt werden.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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