Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Positivliste für Corona-Schnelltests auf Omikron angekündigt

Stuttgart - 10.01.2022, 12:15 Uhr

Der Präsident des PEI, Klaus Cichutek, verweist darauf, dass das Institut mittlerweile über 250 Tests auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schaffen. (Foto: nmann77 / AdobeStock)

Der Präsident des PEI, Klaus Cichutek, verweist darauf, dass das Institut mittlerweile über 250 Tests auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schaffen. (Foto: nmann77 / AdobeStock)


Die Wahrscheinlichkeit, dass die bisherigen Antigen-Schnelltests auch die Omikron-Variante des Corona-Virus nachweisen, ist recht hoch. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach betonte am gestrigen Sonntag jedoch, dass er genau wissen wolle, wie hoch die Genauigkeit der Tests für Omikron ist. Nun soll das Paul-Ehrlich-Institut eine Positivliste vorbereiten. 

Dass die meisten der in Deutschland angebotenen Coronaschnelltests nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) auch zum Nachweis der neuen Omikron-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 geeignet sind, darüber hat die DAZ bereits berichtet. Wichtig ist, dass sie das Nukleo-Protein (N-Protein) des Coronavirus nachweisen. Allerdings erklärte das PEI auch: Für eine endgültige, qualitative und quantitative Aussage seien weitere Untersuchungen, insbesondere Vergleichsstudien mit Proben von Omikron-infizierten Personen erforderlich. 

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Es erscheint also nicht ganz unberechtigt, die Zuverlässigkeit der Antigentests angesichts von Omikron zu hinterfragen. So legen manche derzeit nahe, die Probennahme für die Tests zu überdenken. Am 24. Dezember wurde ein Preprint aus Südafrika veröffentlicht, der nahe legt: „Speichelabstriche sind die bevorzugte Probe für den Omikron-Nachweis“. Die Ergebnisse würden Ex-vivo-Ergebnisse einer verbesserten Virusreplikation im Gewebe der oberen Atemwege und eines möglicherweise veränderten Gewebetropismus unterstützen, heißt es im Fazit des Preprints.

Wie viel Omikron-Viruslast ist ansteckend und im Test positiv?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am vergangenen Sonntag nun eine Positivliste für Corona-Schnelltests angekündigt, welche die neue Omikron-Variante gut erkennen. „Ich habe am Nachmittag das Paul-Ehrlich-Institut veranlasst, eine Positivliste vorzubereiten, mit Tests, die für Omikron besonders geeignet sind beziehungsweise Omikron früh erkennen“, sagte der SPD-Politiker dem ARD-Hauptstadtstudio. Das werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen. Damit solle eine bessere Orientierung bei der Test-Auswahl ermöglicht werden.

In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sagte Lauterbach am Sonntagabend: „Wir wissen nicht genau, wie gut diese Tests für Omikron wirken.“ Das habe man bisher aber auch noch nicht prüfen können, weil man keine Referenzwerte gehabt habe. „Also wir wussten nicht genau: Wie viel Viruslast muss da sein, damit jemand, der mit Omikron infiziert ist, überhaupt für andere ansteckend ist? Diese Daten bekommen wir gerade jetzt.“ Es gebe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, „die ist sehr hoch“, dass vorhandene Tests Omikron auch nachweisen. „Das wissen wir aus der Literatur, aus den Studien.“ Er wolle aber genau wissen, wie hoch die Genauigkeit sei.

Der Präsident des Instituts, Klaus Cichutek, verwies am heutigen Montag im ZDF-„Morgenmagazin“ darauf, dass das Institut mittlerweile über 250 Test-Produkte auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schaffen. Generell können Schnelltests eine Infektion nur dann detektieren, wenn zum Testzeitpunkt eine hohe Viruslast besteht. Dies gilt für Omikron ebenso wie für andere Varianten. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bereits Ende des Jahres Angaben zu den in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests veröffentlicht. Cichutek betonte, Testzentren, Apotheken und auch Discounter orientierten sich an den positiv bewerteten Tests. 

Angepasste Impfstoffe noch im ersten Halbjahr 2022?

Zurückhaltend äußerte sich Cichutek zum Zeithorizont für Impfstoffe, die an die Omikron-Virusvariante angepasst sind. Er gehe davon aus, dass diese noch im ersten Halbjahr vorliegen, und dann auch in ausreichender Menge. In der Diskussion sei noch, ob Impfstoffe eine „einfache Anpassung an Omikron“ bieten oder eine „breitere“ Wirkung haben sollten.

Die neue Omikron-Variante wurde im November aus Südafrika gemeldet, ihr Anteil am Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt rasend schnell zu. Sie ist wesentlich ansteckender als die bislang dominierende Delta-Variante. Zugleich gehen Experten davon aus, dass Omikron tendenziell zu milderen Krankheitsverläufen führt und Infizierte seltener in eine Klinik müssen. Der Expertenrat der Bundesregierung warnte aber jüngst, die starke Infektionsdynamik drohe, den Vorteil der milderen Krankheitsverläufe wieder aufzuwiegen.


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