Mehr als 10.000 Zertifikate pro Stunde

Hohe Nachfrage nach Impfzertifikaten – Apothekenportal überlastet

Berlin - 07.12.2021, 12:15 Uhr

Beim Ausstellen der digitalen Impfzertifikate kommt es derzeit zu technischen Schwierigkeiten. (c / Foto: IMAGO / Ralph Peters)

Beim Ausstellen der digitalen Impfzertifikate kommt es derzeit zu technischen Schwierigkeiten. (c / Foto: IMAGO / Ralph Peters)


Die extrem hohe Nachfrage nach Impfzertifikaten bringt das Apothekenportal an die Grenze seiner Belastbarkeit. Der Deutsche Apothekerverband arbeitet bereits daran, die Kapazitäten auszubauen, wie er im Portal-Blog informiert.

Wer hierzulande am sozialen Leben teilhaben möchte, muss meist entweder geimpft oder genesen sein (2G) oder zumindest einen negativen Corona-Test vorweisen können (3G). Um erfolgte Impfungen gegen COVID-19 nachzuweisen, genügt es oftmals nicht mehr, das gelbe Impfbuch vorzulegen: Vielerorts brauchen Geimpfte ein digitales Impfzertifikat.

Wer den digitalen Nachweis nicht direkt bei der Impfung in der Praxis erhalten hat, lässt sich das Zertifikat in einer Apotheke ausstellen. Die Regelverschärfungen führen derzeit zu einem regelrechten Run auf die Apotheken. „Zeitweise werden mehrere 10.000 Impfzertifikate pro Stunde ausgestellt“, berichtet der Deutsche Apothekerverband (DAV) in seinem Blog im Apothekenportal.

Die Folge: Das Portal kann der Vielzahl der Anfragen offenbar kaum noch standhalten. „Diese starke Nachfrage führt temporär zu Verzögerungen bei der Ausstellung der Zertifikate in den Apotheken“, informiert der DAV. Der Verband arbeite bereits an einer Lösung für das Problem: „Es werden derzeit Maßnahmen umgesetzt, mehr Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, um die Performance auf erhöhtem Niveau zu stabilisieren.“

Auch Fälschungen bereiten Apotheken Probleme

Neben den technischen Schwierigkeiten beschäftigt die Apothekenteams auch die Vielzahl gefälschter Impfpässe, die Kundinnen und Kunden ihnen vorlegen. Manche Betriebe ziehen bereits die Reißleine und steigen aus dem Zertifikate-Geschäft aus. Eine Entspannung der Situation ist aktuell jedenfalls nicht in Sicht.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Masken, Zertifikate und andere akademische Leistungen

von Thomas Kerlag am 08.12.2021 um 6:54 Uhr

Was für miese Arbeitsbedingungen.
Im nächsten Leben mache ich einen großen Bogen um die Apotheken

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

[Impfzertifikate] = [durchgeführte Impfungen] ?

von Dr. Dietmar Roth, Rottenburg am 07.12.2021 um 17:13 Uhr

Werden die Anzahl der Impfzertifikate mit der Anzahl der Impfungen vom RKI abgeglichen?

Wie kann in Zukunft sichergestellt werden, das für jede Impfung nur ein Zertifikat ausgestellt wird?


» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: [Zertifikatsportal] = [Black box] !

von Andreas P. Schenkel am 07.12.2021 um 20:52 Uhr

Wir sehen bei der Zertifikats-Ausstellung als einzige Zahl die Anzahl der von uns bislang ausgestellten Zertifikate. Das wars!

Das RKI weiß nach dessen eigener Auskunft auch nicht die exakte Anzahl der durchgeführten Impfungen. Immerhin ist beruhigend, dass es die Hoheit über den Zertifikate-Server hat.

Ein Nutzer des von der Bundesregierung vorgesehenen papiernen Zertifikats-Zettel im DIN-A4-Format wird sicherlich irgendwann mal wiederkommen und um eine neue Ausfertigung ersuchen: Das ständige Vorzeigenmüssen in vielen Bundesländern wird zur alsbaldigen Zerfledderung des Zellulose-Täfelchens führen. Dann erhält der Antragsteller ein neues Zertifikat mit einer neuen einzigartigen RKI-Signatur.

Wir speichern keinerlei ausgefertigtes Zertifikat aus Datenschutzgründen. Bei uns geht alles temporär Gespeicherte durch eine selbsterstellte Löschroutine spätestens 24 Stunden nach der Erstellung in den digitalen Hades!

Was vor einem Mißbrauch schützen kann ist ausschließlich der konsequente Abgleich der digitalen Zertifikatsdaten mit den zugleich vorgelegten Identitätsausweisen und einer visuellen Identitätsprüfung, bei jeder Eintrittskontrolle, bei jeder polizeilichen Kontrolle, bei jedem Grenzübertritt.

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