Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

19.09.2021, 07:30 Uhr

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 


17. September 2021

Das DAV-Portal macht noch Karriere! O.k., es ist ein bisschen holprig gestartet, das Ausstellen der digitalen Impfzertifikate klemmte auch schon mal und die Digitalisierung der dritten Impfung musste ein bisschen verschoben werden – so ist das eben mit der digitalen Transformation. Aber jetzt! Der Deutsche Apothekerverband (DAV) will den Service für Kundinnen und Kunden – und damit auch für die Apotheken – deutlich ausbauen: Ab dem 30. September soll der „Apothekenmanager“ (www.mein-apothekenmanager.de) als „progressive Web-App“ zur Verfügung stehen. Der „Apothekenmanager“ soll um eine Kommunikations- und Kontaktaufnahmefunktion erweitert werden: Der Apothekenkunde, die Apothekenkundin soll dann z. B. eine Voranfrage für die Belieferung von Muster-16-Rezepten an die Apotheke richten können. Außerdem soll es eine Fotofunktion geben und eine Multimessaging-Lösung für Text-Chats, für Daten- und Videoübertragung. Das alles soll dann die Grundlage für digitale Dienstleistungen von Apotheken an ihre Kunden bilden, schreibt der Landesapothekerverband Niedersachsen in einem Mitglieder-Rundschreiben. Auch die Suchfunktion im „Apothekenmanager“ soll erweitert werden. Mein liebes Tagebuch, da steckt in der Tat Potenzial drin, denn beim Apothekenportal machen nahezu alle öffentlichen Apotheken mit. Freuen wir uns auf den Wettstreit der Plattformen!

 

Plattformen, Plattformen über alles. Plattformen waren auch ein Thema bei der digitalen „Expopharm impuls“. Die Diskussion zeigte: Da ist noch eine Menge Musik drin! Und ja, wir Apothekers kommen nicht drumherum, uns mit Plattformen zu befassen: Ja, nein, vielleicht oder schaff ich’s alleine? Und wenn ja: Welche Plattform soll ich wählen? Was bieten sie mir, wo setzen sie die Schwerpunkte? Der „Newcomer“ ist die Plattform „Frag die Apotheke“ von Steffen Kuhnert, Gründer der „FDA Frag die Apotheke GmbH.“ Auf seiner Plattform soll es weniger um Kauftransaktionen und E-Rezepte gehen, sondern eher um den Dialog mit dem Patienten: Wie bekommt man den Beratungsansatz in die Online-Welt. Dr. Sven Simons, Geschäftsführer von „gesund.de", möchte die reale Apotheke im digitalen Raum ergänzen, das Beste aus allen Welten verbinden, mit ganzheitlichem Ansatz. Für Ende des Monats ist der Marktplatz von „gesund,de“ angekündigt. Und Dr. Jan-Florian Schlapfner, Projektleiter beim „Zukunftspakt Apotheke“, möchte die Apotheke vor Ort und online präsent machen. Für ihn ist es wichtig, dass die Plattform von Apothekern beherrscht wird, sprich der genossenschaftliche Gedanke der Noweda steht im Vordergrund. Diese Plattform hat bereits die längste Erfahrung, sie ist seit 2019 online. Eine App fürs E-Rezept soll kommen. Ja, und dann, mein liebes Tagebuch, performt seit den digitalen Impfzertifikaten nun auch das DAV- Apothekenportal als Plattform – mit dem starken Pfund, dass dort inzwischen etwa 98 Prozent der Apotheken in Deutschland angeschlossen seien, so heißt es. Da tut sich was! Und es scheinen Kooperationen oder sogar Fusionen von Plattformen möglich, wie in der Diskussionsrunde anklang. Trotz aller Euphorie: „Der Weg ist noch weit.“

 

Noch gut drei Monate sind es bis zum Start des E-Rezepts für alle Apotheken. Aber die Skepsis wächst, bei Ärzten, bei Apothekern, bei Kassen und sogar bei der ABDA. Nur der Gematik-Chef glaubt noch richtig fest daran, dass das E-Rezept am 1. Januar kommt. Nun ja, mein liebes Tagebuch, als Gematik-Chef muss er das auch. Aber mittlerweile mehren sich die Stimmen, die sagen: Das wird eng mit dem Termin. Die Ärzteschaft ist noch nicht wirklich bereit, da klemmt’s noch technisch und bis zum 1. Januar 2022 werden längst noch nicht alle Praxen mit einem HBA ausgestattet sein, es gibt Kapazitätsengpässe bei den herstellenden Unternehmen, war in einer Diskussionsrunde auf der digitalen „Expopharm impuls“ zu vernehmen. Aber es war dennoch schön, zu erleben, wie optimistisch und freudig-munter der Gematik-Chef Markus Leyck Dieken den anvisierten Starttermin beschwor. Allerdings, das ließ er dann doch durchblicken: Die Softwarehäuser für die Praxis-Software der Ärzte machen ihm Sorge, denn diese betrachten den offiziellen Starttermin am 1. Januar 2022 als ihren Starttermin und nicht die aktuelle Testphase. Mein liebes Tagebuch, da fragt man sich dann doch wirklich, an wem es liegt: an den Softwarehäusern oder an den Ärzten? Beide schieben sich den Schwarzen Peter zu. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sogar ein klares Votum ausgesprochen: Sie fordert, die Einführung des E-Rezepts zu verschieben – ebenso die Ausstellung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die schon zum 1. Oktober Pflicht für die Praxen werden soll. Die Technik funktioniere nicht oder komme zu spät. Mein liebes Tagebuch, das kann noch heiter werden. Da stehen wir Apothekers doch wieder mal als Musterknaben und Mustermädchen da.



Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

noch was

von Karl Friedrich Müller am 20.09.2021 um 10:30 Uhr

ich mal gerne los werden möchte:
man kann noch nicht mal ein paar Tage Urlaub machen, also richtig, ohne sich um den ganzen Käse zu kümmern. Alle paar Stunden wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, Änderungen, bei Covid Belieferungen, Platformen, Lieferverträge usw, so dass man nach wenigen tagen überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden ist.
Ein immenser stapel von Post, 90% unwichtiger Mist.
Ist Ihnen eigentlich klar, dass der zustand eine Dauerüberforderung darstellt? Und dafür bekommen wir immer weniger Geld, immer mehr stress?
Und Sie WUNDERN sich, wo der Nachwuchs bleibt?
SO kan das nicht weitergehen!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: noch was, E Rezept

von Christian Giese am 20.09.2021 um 11:12 Uhr

und dann noch Sarah Spiekermann, Digitale Ethik lesen, das kleine bisschen Hoffnung und Gerechtigkeit in diesem Bereich.

Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 19.09.2021 um 11:43 Uhr

Also ich bin jetzt auch kein Fan davon diese "Büchse" zu öffnen aber der Vergleich mit dem Arzt und seiner Fachangestellten hinkt doch wohl gewaltig.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von Michael Reinhold am 19.09.2021 um 17:50 Uhr

Wie kommt man zu so einer Meinung?

Geht es darum, dass
a) der Arzt doch ein "richtiges Studium" absolviert hat, während das Pharmaziestudium halt doch nur so ein "Pippifax-Studium" ist oder
b) die Tätigkeit in der Apotheke - in der Realität - wirklich doch nur das Übergeben einer bunten Schachtel ist, so dass der Apotheker jederzeit durch eine PTA ersetzt werden kann?

Falls b): Dafür ist meiner Ansicht nach auch eine PTA zu teuer. Ich bin dafür, dass wir die Diskussion aufbringen, dass eine PTA in einer Apotheke jederzeit durch eine angelernte Kraft ersetzt werden kann.

Ganz offen: So ein wenig Salbengrundlage und Pulver in einen Topitec einwiegen bekommt eine angelernte Kraft auf 450 Euro-Basis auch hin, wenn man ihr das zwei Wochen zeigt. Der Beruf der PTA ist sowas von überflüssig.

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 20.09.2021 um 7:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Reinhold, wir müssen uns nicht noch selber schlecht machen. Ich sagte doch, dass ich kein Fan davon bin ohne das jetzt hier näher zu begründen. Nur der Vergleich mit dem Arzt hinkt. Man kann doch wohl kaum bestreiten, dass Aubildung und Tätigkeit von Arzt und Helferin viel weiter auseinanderklaffen als die von PTA und Apotheker.

blauäugig. nichtssagend.

von Karl Friedrich Müller am 19.09.2021 um 11:08 Uhr

Alles so schön bunt hier…
Herr Ditzel und die DAZ als digitale Jubelperser, wie Kleinkinder, die über den Kirmes mit großen Augen wandern, am Ende den Weihnachtsmann erwarten und vergessen, dass es auch noch einen Knecht Ruprecht gibt….
Musterknaben sollen wir sein, nicht wie die Ärzte, auf die man mit dem Finger zeigt. Dort nehmen viele Einkommenseinbußen auf sich, weil sie vom Konzept nicht überzeugt sind oder geben gleich die Praxis auf. ePA als Datenquelle für Bertelsmann und damit auch als Geldquelle? Wer verdient noch? Da braucht es keine Hacker mehr, die so sicher kommen werden wie das Amen in der Kirche. Wenn Ärzte keine AU ausstellen können ohne TI, quasi ein Berufsverbot? Geht`s noch? Die teuren Konnektoren geben gern mal Geist auf. 4000€ für so ein Kästchen? Was ist das wirklich wert? 100€?
Digitalisierung ist teuer? JA? Für den DAV? Für die Apotheke nicht? Warum wird die wirtschaftliche Seite komplett ausgeblendet? Versand? Mitbewerber? Wer bleibt übrig in den sich anbahnenden Kampf um die Rezepte?
Womit wir bei dem Thema wären, das die DAZ verschweigt: Die Haltung Baerbocks und der Grünen zur Apotheke. Bei der Konkurrenz war es zu lesen: Man findet Höchstpreise toll und weil natürlich einige Apotheken leiden werden, soll es einen „Ausgleich“ geben. Man ist also auf dem Weg, das Honorar bei Rx für die Apotheken zu kürzen, ein beliebtes Steckenpferd der KK, woher der Mist auch stammen dürfte. ABDA und DAZ verschweigen das einmütig. Wahrscheinlich ist das mal wieder ein „Geheimnis“. Leute, nix mit Honorarerhöhung. Die Kassen bohren weiter an der Verschlechterung unserer Lage in der Politik, vermutlich nicht nur bei den Grünen. Nur, Baerbock sagt es, die anderen nicht. Die DAZ scheint zum Sprachrohr der ABDA zu verkommen mit allen Konsequenzen. Unsere wirtschaftliche Zukunft soll im Nebel bleiben.
Was für einen Sinn soll eine Honorarkürzung überhaupt haben? Die paar Euro machen doch überhaupt in dem Riesenbudget nichts aus. Bei 250 Mrd€ Ausgaben.
Die Kammer in BW ist mit nur 20% Wahlbeteiligung gewählt und damit nicht demokratisch und schon gar keine Vertretung der Apotheker im Land. Irgendeine Legitimation kann ich nicht erkennen, auch wenn in der Kammerversammlung das „who is who“ vertreten ist. Wo sind die Normalos? Ein Kollege, der sich im Netz brüstet. 110 Seiten bei der Abrechnung der Impfzertifikate zu haben, ein Hans Dampf, der offensichtlich im Geld schwimmt, als leuchtendes Vorbild? Die Kohle hat nicht jeder und nicht jeder hat die persönlichen Möglichkeiten. (nur als Beispiel). Der pflichtbewusste Apotheker und Apotheke, die den täglichen „Kleinkram“ abarbeiten kommt in der DAZ nicht vor. Das sind die kleinen Buden auf dem Kirmes, die den großen leuchtenden Augen verborgen bleiben, die Schaffer im Hintergrund, die alles erst möglich machen. Missachtet, verachtet, ignoriert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: blauäugig. nichtssagend

von Daniela Hänel am 19.09.2021 um 14:02 Uhr

Vielen Dank für Ihre treffenden Worte!

Wer weiß, ob das e-Rezept pünktlich kommt, denn aktuell gibt es einen weltweiten Mangel an „Chips“ und entsprechend sehr lange Lieferzeiten von mehreren Wochen ist die Rede, um Kartenterminals zu erhalten.

Aber die großen Mitstreiter unserer obersten Organisationen einschließlich die Versandlogistiker im holländischen Grenzgebiet sind ja alle schon fein an die TI angeschlossen …

AW: blauäugig. nichtssagend

von Tobias Kast am 19.09.2021 um 16:07 Uhr

Ja - die Wahlbeteiligung könnte besser sein.
In BaWü haben von 13.441 wahlberechtigten Apothekern insgesamt 3.348 Apotheker gewählt (sind knapp unter 25 %).
Was war der Grund für den Rest?
- Eine Gruppe ist die mit vollkommenem Desinteresse an allem, was mit dem Beruf zu tun hat.
- Eine weitere Gruppe könnte die sein, die sagt "es ändert sowieso nichts".
- Ein Anteil könnte es vergessen haben (trotz 2 "Themen Kammerzeitschriften" dazu und separater Wahlzuschrift).
...?

Ansonsten;
Der vermutlich "bekannteste" Apotheker im Vorstand hat von den Wählenden absolut die meisten Stimmen bekommen... aus dem Stand, gegen Alterspräsidenten, Vize und ehemaligen LAV Vize (was die drei Nachfolgenden wären)...
Ich würde durchaus behaupten, dass sich daraus etwas ablesen lässt.

Die Vertreterversammlung hat außerdem neben dem Präsidenten die Hälfte des Vorstandes mit jüngeren Leuten besetzt. Der Altersdurchschnitt im Vorstand liegt jetzt grob überschlagen bei 47 Jahren. (Die "Neuen" alleine bei ca 40.)

Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren tut und wie viel man mit Kammer und Vertreterversammlung bewegen kann - und wie viel eben nicht.

Das sich viel ändern WIRD (und ändern MUSS!) ist jedem klar, der nicht den Kopf in den Sand steckt und nur versucht "noch ein paar Jahre zu überstehen".

Die Frage ist - hat man die Chance eine Veränderung in irgendeiner Form zu gestalten oder kann man sie nur erleiden.
Für Letzteres ist mir persönlich mein voraussichtliches Berufsleben noch deutlich zu lang.

Disclaimer:
Ich wurde (wie fast 30 Andere) das erste Mal in die neue Vertreterversammlung der LAK BaWü gewählt.

AW: Jubelperser oder Revolutionäre bei Kammerwahlen

von Ulrich Ströh am 19.09.2021 um 17:02 Uhr

Na ja, Apotheker sind in der Mehrzahl weder Anhänger von Veränderern oder Revolutionären bei Kammerwahlen.

Sie fokussieren sich zumeist auf das Gedeihen ihrer eigenen Apotheke.

Die Wahlbeteiligung für KVen wird auch zukünftig nicht steigen und die Anzahl engagierter Kollegen wird sich in Grenzen halten, hoffentlich ist es in Ba-Wü demnächst dauerhaft anders…

Fragt sich nur ,über welches Mandat gewählte Vorstände dann verfügen,wenn mehr als 75 Prozent der Kollegen nicht Ihre Stimme abgeben.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.