Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

19.09.2021, 07:30 Uhr

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 


15. September 2021

Er war drei Jahre länger im Amt als Dr. Angela Merkel: Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, trat nach 19 Jahren Präsidentschaft nicht mehr an. Er wolle aber nicht „den Graue machen“ merkte er an mit einem kleinen scherzhaften Seitenhieb auf den Vorsitzenden des Hamburger Apothekervereins, der mit 82 Jahren noch einmal wiedergewählt wurde. Mein liebes Tagebuch, und so gab es für den scheidenden Präsidenten großen Applaus und Tränen in den Augen: Er habe nicht gedacht, so kommentierte Hanke die Ovationen, dass ihm noch einmal etwas feuchte Augen bescheren könne. Der Kammerversammlung gehört er aber in Zukunft weiter an: Dass er mit tollem Wahlergebnis wiedergewählt worden sei, zeige ihm, dass er seinen Job nicht so ganz schlecht gemacht habe. Sein Nachfolger ist Dr. Martin Braun, Industrieapotheker bei Schwabe in Karlsruhe. Als Vizepräsidentin wurde die bisherige Amtsinhaberin Silke Laubscher, stellvertretende Leiterin einer Apotheke in Heidelberg, und als Rechnungsführer Dr. Peter Kaiser bestätigt. Dem neuen Vorstand gehören weitere zehn Mitglieder an. Wiedergewählt wurden Dr. Andrea Bihlmayer, Daniela Klebes, Dr. Andreas von Ameln-Mayerhofer und Tilmann Schöll. Neu in den Vorstand gewählt wurden Tatjana Buck, Friederike Uhl, Andrea Ulsamer, Philipp Böhmer, Dr. Björn Schittenhelm und Philipp Wälde. Mein liebes Tagebuch, ehrlich, die neue Vorstandsliste liest sich doch wie das „Who is who“ der deutschen Pharmazie – da sind wir schon heute auf die Aktivitäten und die Power gespannt, die aus Baden-Württemberg hoffentlich auch nach Berlin ausstrahlen. Zum Beispiel beim Thema Pharmazeutische Dienstleistungen!

 

Feine Kampagne der Noweda: Die apothekereigene Großhandlung wirbt auf Großplakaten in Berlin für die Präsenzapotheken mit einem Slogan, der auf die EU-Versender zielt: „Lokale Apotheken packen an. EU-Arzneimittelversender packen ein.“ Mein liebes Tagebuch, so ist es. Und damit die großflächigen Plakate auch gesehen werden, wirbt die Noweda vor allem in Berlin-Mitte sowie Kreuzberg, „in unmittelbarer Nähe zu den Parteizentralen von CDU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sowie im Umkreis mehrerer Bundesministerien“. Weitere Veröffentlichungsorte sind wichtige Verkehrsknotenpunkte, unter anderem die hoch frequentierten Bahnhöfe Alexanderplatz und Friedrichstraße. „Mit der Plakataktion in Berlin wollen wir nun auch die politischen Entscheider in Berlin erreichen“, sagt Dr. Michael Kuck, Vorstandschef der Noweda. Die Aktion ist bereits die fünfte Phase der Kampagne, vorausgegangen waren eine Guerilla-Aktion vor der DocMorris-Zentrale in den Niederlanden, es folgten Anzeigen im Nachrichtenmagazin „Focus“, Plakate für die Apotheken und Anzeigen im Apotheken-Kundenmagazin „My Life“. Mein liebes Tagebuch, Dank an die Noweda für diese Aktion! Hoffen wir, dass auch weitere Player im deutschen Apothekenmarkt gute Einfälle haben, Werbeaktionen starten und die Vor-Ort-Apotheken unterstützen. Wie wär’s mal damit: „Warum muss ich zwei Tage auf meine Arzneimittel warten, wenn sie mir meine Apotheke noch heute bringt?“

 

Grippeschutzimpfung in Apotheken – ein voller Erfolg. Nach der Erfolgsmeldung des Apothekerverbands Nordrhein freut sich nun auch der Saarländische Apothekerverein über das Evaluationsergebnis zum Modellprojekt: Mehr als 330 AOK-Versicherte haben sich in der vergangenen Grippesaison in saarländischen Apotheken gegen Influenza impfen lassen und die allermeisten sind hochzufrieden mit dem Service. Mein liebes Tagebuch, so muss es sein! Auch Christiane Firk vom AOK-Vorstand ist voller Freude: Unkompliziert, einfach und sicher – dafür steht die Impfoption gegen Grippe in Zusammenarbeit mit den saarländischen Apotheken.“ Na, mein liebes Tagebuch, da müssten doch bei allen anderen Apothekerverbänden und Krankenkassen, die noch keine Vereinbarungen für solche Modellprojekte getroffen haben, die Wecker schrillen (z. B. in Hessen): Woran liegt’s, dass es dort noch keine Modellprojekte gibt? Mein liebes Tagebuch, sogar die Bahn und die GDL haben sich geeinigt, also, lasst uns an die lieben Kassen appellieren: Wenn Apotheker impfen, wird’s ein Erfolg. Hört auf, den Weselsky zu machen!

 

Was lange währt… Jetzt können Apotheken auch den Nachweis für Auffrischimpfungen digitalisieren – das dafür nötige Modul im Apothekenportal ist freigeschaltet. Und die ABDA hat bereits ihre aktualisierte „Handlungshilfe zur nachträglichen Erstellung der Covid-19-Zertifikate durch Apothekerinnen und Apotheker“ veröffentlicht. Kundinnen und Kunden, die ein solches Zertifikat wünschen, müssen neben einem Beleg über die erfolgte Auffrischimpfung auch einen Nachweis über einen bereits vorhandenen vollständigen Impfschutz vorlegen, um nachzuweisen, dass es sich tatsächlich um eine Boosterimpfung handelt. Das Apothekenpersonal muss dann nur noch die vorgelegten Impfdokumente auf Echtheit prüfen. Mein liebes Tagebuch, also, bieten wir unserer Kundschaft diesen Service! Die Versender können’s nicht.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

noch was

von Karl Friedrich Müller am 20.09.2021 um 10:30 Uhr

ich mal gerne los werden möchte:
man kann noch nicht mal ein paar Tage Urlaub machen, also richtig, ohne sich um den ganzen Käse zu kümmern. Alle paar Stunden wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, Änderungen, bei Covid Belieferungen, Platformen, Lieferverträge usw, so dass man nach wenigen tagen überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden ist.
Ein immenser stapel von Post, 90% unwichtiger Mist.
Ist Ihnen eigentlich klar, dass der zustand eine Dauerüberforderung darstellt? Und dafür bekommen wir immer weniger Geld, immer mehr stress?
Und Sie WUNDERN sich, wo der Nachwuchs bleibt?
SO kan das nicht weitergehen!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: noch was, E Rezept

von Christian Giese am 20.09.2021 um 11:12 Uhr

und dann noch Sarah Spiekermann, Digitale Ethik lesen, das kleine bisschen Hoffnung und Gerechtigkeit in diesem Bereich.

Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 19.09.2021 um 11:43 Uhr

Also ich bin jetzt auch kein Fan davon diese "Büchse" zu öffnen aber der Vergleich mit dem Arzt und seiner Fachangestellten hinkt doch wohl gewaltig.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von Michael Reinhold am 19.09.2021 um 17:50 Uhr

Wie kommt man zu so einer Meinung?

Geht es darum, dass
a) der Arzt doch ein "richtiges Studium" absolviert hat, während das Pharmaziestudium halt doch nur so ein "Pippifax-Studium" ist oder
b) die Tätigkeit in der Apotheke - in der Realität - wirklich doch nur das Übergeben einer bunten Schachtel ist, so dass der Apotheker jederzeit durch eine PTA ersetzt werden kann?

Falls b): Dafür ist meiner Ansicht nach auch eine PTA zu teuer. Ich bin dafür, dass wir die Diskussion aufbringen, dass eine PTA in einer Apotheke jederzeit durch eine angelernte Kraft ersetzt werden kann.

Ganz offen: So ein wenig Salbengrundlage und Pulver in einen Topitec einwiegen bekommt eine angelernte Kraft auf 450 Euro-Basis auch hin, wenn man ihr das zwei Wochen zeigt. Der Beruf der PTA ist sowas von überflüssig.

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 20.09.2021 um 7:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Reinhold, wir müssen uns nicht noch selber schlecht machen. Ich sagte doch, dass ich kein Fan davon bin ohne das jetzt hier näher zu begründen. Nur der Vergleich mit dem Arzt hinkt. Man kann doch wohl kaum bestreiten, dass Aubildung und Tätigkeit von Arzt und Helferin viel weiter auseinanderklaffen als die von PTA und Apotheker.

blauäugig. nichtssagend.

von Karl Friedrich Müller am 19.09.2021 um 11:08 Uhr

Alles so schön bunt hier…
Herr Ditzel und die DAZ als digitale Jubelperser, wie Kleinkinder, die über den Kirmes mit großen Augen wandern, am Ende den Weihnachtsmann erwarten und vergessen, dass es auch noch einen Knecht Ruprecht gibt….
Musterknaben sollen wir sein, nicht wie die Ärzte, auf die man mit dem Finger zeigt. Dort nehmen viele Einkommenseinbußen auf sich, weil sie vom Konzept nicht überzeugt sind oder geben gleich die Praxis auf. ePA als Datenquelle für Bertelsmann und damit auch als Geldquelle? Wer verdient noch? Da braucht es keine Hacker mehr, die so sicher kommen werden wie das Amen in der Kirche. Wenn Ärzte keine AU ausstellen können ohne TI, quasi ein Berufsverbot? Geht`s noch? Die teuren Konnektoren geben gern mal Geist auf. 4000€ für so ein Kästchen? Was ist das wirklich wert? 100€?
Digitalisierung ist teuer? JA? Für den DAV? Für die Apotheke nicht? Warum wird die wirtschaftliche Seite komplett ausgeblendet? Versand? Mitbewerber? Wer bleibt übrig in den sich anbahnenden Kampf um die Rezepte?
Womit wir bei dem Thema wären, das die DAZ verschweigt: Die Haltung Baerbocks und der Grünen zur Apotheke. Bei der Konkurrenz war es zu lesen: Man findet Höchstpreise toll und weil natürlich einige Apotheken leiden werden, soll es einen „Ausgleich“ geben. Man ist also auf dem Weg, das Honorar bei Rx für die Apotheken zu kürzen, ein beliebtes Steckenpferd der KK, woher der Mist auch stammen dürfte. ABDA und DAZ verschweigen das einmütig. Wahrscheinlich ist das mal wieder ein „Geheimnis“. Leute, nix mit Honorarerhöhung. Die Kassen bohren weiter an der Verschlechterung unserer Lage in der Politik, vermutlich nicht nur bei den Grünen. Nur, Baerbock sagt es, die anderen nicht. Die DAZ scheint zum Sprachrohr der ABDA zu verkommen mit allen Konsequenzen. Unsere wirtschaftliche Zukunft soll im Nebel bleiben.
Was für einen Sinn soll eine Honorarkürzung überhaupt haben? Die paar Euro machen doch überhaupt in dem Riesenbudget nichts aus. Bei 250 Mrd€ Ausgaben.
Die Kammer in BW ist mit nur 20% Wahlbeteiligung gewählt und damit nicht demokratisch und schon gar keine Vertretung der Apotheker im Land. Irgendeine Legitimation kann ich nicht erkennen, auch wenn in der Kammerversammlung das „who is who“ vertreten ist. Wo sind die Normalos? Ein Kollege, der sich im Netz brüstet. 110 Seiten bei der Abrechnung der Impfzertifikate zu haben, ein Hans Dampf, der offensichtlich im Geld schwimmt, als leuchtendes Vorbild? Die Kohle hat nicht jeder und nicht jeder hat die persönlichen Möglichkeiten. (nur als Beispiel). Der pflichtbewusste Apotheker und Apotheke, die den täglichen „Kleinkram“ abarbeiten kommt in der DAZ nicht vor. Das sind die kleinen Buden auf dem Kirmes, die den großen leuchtenden Augen verborgen bleiben, die Schaffer im Hintergrund, die alles erst möglich machen. Missachtet, verachtet, ignoriert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: blauäugig. nichtssagend

von Daniela Hänel am 19.09.2021 um 14:02 Uhr

Vielen Dank für Ihre treffenden Worte!

Wer weiß, ob das e-Rezept pünktlich kommt, denn aktuell gibt es einen weltweiten Mangel an „Chips“ und entsprechend sehr lange Lieferzeiten von mehreren Wochen ist die Rede, um Kartenterminals zu erhalten.

Aber die großen Mitstreiter unserer obersten Organisationen einschließlich die Versandlogistiker im holländischen Grenzgebiet sind ja alle schon fein an die TI angeschlossen …

AW: blauäugig. nichtssagend

von Tobias Kast am 19.09.2021 um 16:07 Uhr

Ja - die Wahlbeteiligung könnte besser sein.
In BaWü haben von 13.441 wahlberechtigten Apothekern insgesamt 3.348 Apotheker gewählt (sind knapp unter 25 %).
Was war der Grund für den Rest?
- Eine Gruppe ist die mit vollkommenem Desinteresse an allem, was mit dem Beruf zu tun hat.
- Eine weitere Gruppe könnte die sein, die sagt "es ändert sowieso nichts".
- Ein Anteil könnte es vergessen haben (trotz 2 "Themen Kammerzeitschriften" dazu und separater Wahlzuschrift).
...?

Ansonsten;
Der vermutlich "bekannteste" Apotheker im Vorstand hat von den Wählenden absolut die meisten Stimmen bekommen... aus dem Stand, gegen Alterspräsidenten, Vize und ehemaligen LAV Vize (was die drei Nachfolgenden wären)...
Ich würde durchaus behaupten, dass sich daraus etwas ablesen lässt.

Die Vertreterversammlung hat außerdem neben dem Präsidenten die Hälfte des Vorstandes mit jüngeren Leuten besetzt. Der Altersdurchschnitt im Vorstand liegt jetzt grob überschlagen bei 47 Jahren. (Die "Neuen" alleine bei ca 40.)

Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren tut und wie viel man mit Kammer und Vertreterversammlung bewegen kann - und wie viel eben nicht.

Das sich viel ändern WIRD (und ändern MUSS!) ist jedem klar, der nicht den Kopf in den Sand steckt und nur versucht "noch ein paar Jahre zu überstehen".

Die Frage ist - hat man die Chance eine Veränderung in irgendeiner Form zu gestalten oder kann man sie nur erleiden.
Für Letzteres ist mir persönlich mein voraussichtliches Berufsleben noch deutlich zu lang.

Disclaimer:
Ich wurde (wie fast 30 Andere) das erste Mal in die neue Vertreterversammlung der LAK BaWü gewählt.

AW: Jubelperser oder Revolutionäre bei Kammerwahlen

von Ulrich Ströh am 19.09.2021 um 17:02 Uhr

Na ja, Apotheker sind in der Mehrzahl weder Anhänger von Veränderern oder Revolutionären bei Kammerwahlen.

Sie fokussieren sich zumeist auf das Gedeihen ihrer eigenen Apotheke.

Die Wahlbeteiligung für KVen wird auch zukünftig nicht steigen und die Anzahl engagierter Kollegen wird sich in Grenzen halten, hoffentlich ist es in Ba-Wü demnächst dauerhaft anders…

Fragt sich nur ,über welches Mandat gewählte Vorstände dann verfügen,wenn mehr als 75 Prozent der Kollegen nicht Ihre Stimme abgeben.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.