Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

19.09.2021, 07:30 Uhr

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 

Die Wetten laufen: Kommt das E-Rezept am 1. Januar 2022 oder kommt es nicht? (Foto: Alex Schelbert) 


14. September 2021

Diese Idee geistert seit einigen Wochen durch die Apothekenwelt: Man könnte doch dem  Personalnotstand in Apotheken entgegenwirken, wenn berufserfahrene PTA zumindest stundenweise eine approbierte Kraft vertreten könnten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß hatte diesen Vorschlag unlängst gemacht. Ups, mein liebes Tagebuch, ist das ernst gemeint? Ja – und klar, der Bundesverband der PTA griff die Idee frohlockend auf. In einer Diskussionsrunde auf der digitalen „Expopharm impuls“ fand sogar die Vorsitzende des Saarländischen Apothekerverbands, Susanne Koch, Gefallen an diesem Vorschlag: Sie sei offen für eine stundenweise Vertretungsmöglichkeit durch PTA. Auch der Adexa-Vorsitzende Andreas May meinte, man müsse über eine stundenweise Vertretung zumindest reden können. Und sowas könnte doch auch den PTA-Beruf aufwerten und attraktiver machen. Mein liebes Tagebuch, schon richtig, reden kann man über alles und damit sollte man es dann dabei belassen. Also, so unattraktiv ist der PTA-Beruf nun wirklich nicht als dass man ihn durch ein paar Vertretungsstunden aufwerten müsste. Und mal ehrlich, wie viele Vertretungsstunden sollen es denn bitteschön sein und wie lässt sich verhindern, dass so eine Regelung ausgenützt wird? Neben solchen kleinen praktischen Fragen geht es aber letztlich um viel mehr: Der Hochschulberuf des Apothekers lasse sich nicht durch PTA vertreten, zeigte sich unser Präsident der Bundesapothekerkammer, Thomas Benkert, in dieser Frage unnachgiebig. Zu recht, mein liebes Tagebuch, und Benkert merkte an: „Kein Arzt würde auf die Idee kommen, sich in der Praxis von seiner medizinischen Fachangestellten vertreten zu lassen.“ Außerdem könnte man sich durchaus Zukunftsszenarien vorstellen, dass ein Apotheker irgendwo in einem Büro sitzt und die Arzneimittel – kontrolliert über den Bildschirm – über ein Distributionszentrum im Supermarkt von PTA ausgegeben werden. Und schließlich könnte auch die Politik auf die Idee kommen: Wenn eine Apotheke stundenweise auch mit einer Ausbildung und zwei Jahren Berufsfachschule geführt werde könne, könnte man die Ausbildung doch gleich an die Fachhochschule degradieren, der akademische Heilberuf „Apotheker“ sei dann weg. Mein liebes Tagebuch, man kann Benkert nur zustimmen. Denn Vorsicht, es gibt sie, die Menschen und Organisationen, die glauben, dass das bisschen Arzneimittel-Verkaufen doch auch andere können, dafür braucht’s doch keine Apothekers.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

noch was

von Karl Friedrich Müller am 20.09.2021 um 10:30 Uhr

ich mal gerne los werden möchte:
man kann noch nicht mal ein paar Tage Urlaub machen, also richtig, ohne sich um den ganzen Käse zu kümmern. Alle paar Stunden wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, Änderungen, bei Covid Belieferungen, Platformen, Lieferverträge usw, so dass man nach wenigen tagen überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden ist.
Ein immenser stapel von Post, 90% unwichtiger Mist.
Ist Ihnen eigentlich klar, dass der zustand eine Dauerüberforderung darstellt? Und dafür bekommen wir immer weniger Geld, immer mehr stress?
Und Sie WUNDERN sich, wo der Nachwuchs bleibt?
SO kan das nicht weitergehen!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: noch was, E Rezept

von Christian Giese am 20.09.2021 um 11:12 Uhr

und dann noch Sarah Spiekermann, Digitale Ethik lesen, das kleine bisschen Hoffnung und Gerechtigkeit in diesem Bereich.

Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 19.09.2021 um 11:43 Uhr

Also ich bin jetzt auch kein Fan davon diese "Büchse" zu öffnen aber der Vergleich mit dem Arzt und seiner Fachangestellten hinkt doch wohl gewaltig.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von Michael Reinhold am 19.09.2021 um 17:50 Uhr

Wie kommt man zu so einer Meinung?

Geht es darum, dass
a) der Arzt doch ein "richtiges Studium" absolviert hat, während das Pharmaziestudium halt doch nur so ein "Pippifax-Studium" ist oder
b) die Tätigkeit in der Apotheke - in der Realität - wirklich doch nur das Übergeben einer bunten Schachtel ist, so dass der Apotheker jederzeit durch eine PTA ersetzt werden kann?

Falls b): Dafür ist meiner Ansicht nach auch eine PTA zu teuer. Ich bin dafür, dass wir die Diskussion aufbringen, dass eine PTA in einer Apotheke jederzeit durch eine angelernte Kraft ersetzt werden kann.

Ganz offen: So ein wenig Salbengrundlage und Pulver in einen Topitec einwiegen bekommt eine angelernte Kraft auf 450 Euro-Basis auch hin, wenn man ihr das zwei Wochen zeigt. Der Beruf der PTA ist sowas von überflüssig.

AW: Vertretungsbefugnis PTA

von K.Stülcken am 20.09.2021 um 7:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Reinhold, wir müssen uns nicht noch selber schlecht machen. Ich sagte doch, dass ich kein Fan davon bin ohne das jetzt hier näher zu begründen. Nur der Vergleich mit dem Arzt hinkt. Man kann doch wohl kaum bestreiten, dass Aubildung und Tätigkeit von Arzt und Helferin viel weiter auseinanderklaffen als die von PTA und Apotheker.

blauäugig. nichtssagend.

von Karl Friedrich Müller am 19.09.2021 um 11:08 Uhr

Alles so schön bunt hier…
Herr Ditzel und die DAZ als digitale Jubelperser, wie Kleinkinder, die über den Kirmes mit großen Augen wandern, am Ende den Weihnachtsmann erwarten und vergessen, dass es auch noch einen Knecht Ruprecht gibt….
Musterknaben sollen wir sein, nicht wie die Ärzte, auf die man mit dem Finger zeigt. Dort nehmen viele Einkommenseinbußen auf sich, weil sie vom Konzept nicht überzeugt sind oder geben gleich die Praxis auf. ePA als Datenquelle für Bertelsmann und damit auch als Geldquelle? Wer verdient noch? Da braucht es keine Hacker mehr, die so sicher kommen werden wie das Amen in der Kirche. Wenn Ärzte keine AU ausstellen können ohne TI, quasi ein Berufsverbot? Geht`s noch? Die teuren Konnektoren geben gern mal Geist auf. 4000€ für so ein Kästchen? Was ist das wirklich wert? 100€?
Digitalisierung ist teuer? JA? Für den DAV? Für die Apotheke nicht? Warum wird die wirtschaftliche Seite komplett ausgeblendet? Versand? Mitbewerber? Wer bleibt übrig in den sich anbahnenden Kampf um die Rezepte?
Womit wir bei dem Thema wären, das die DAZ verschweigt: Die Haltung Baerbocks und der Grünen zur Apotheke. Bei der Konkurrenz war es zu lesen: Man findet Höchstpreise toll und weil natürlich einige Apotheken leiden werden, soll es einen „Ausgleich“ geben. Man ist also auf dem Weg, das Honorar bei Rx für die Apotheken zu kürzen, ein beliebtes Steckenpferd der KK, woher der Mist auch stammen dürfte. ABDA und DAZ verschweigen das einmütig. Wahrscheinlich ist das mal wieder ein „Geheimnis“. Leute, nix mit Honorarerhöhung. Die Kassen bohren weiter an der Verschlechterung unserer Lage in der Politik, vermutlich nicht nur bei den Grünen. Nur, Baerbock sagt es, die anderen nicht. Die DAZ scheint zum Sprachrohr der ABDA zu verkommen mit allen Konsequenzen. Unsere wirtschaftliche Zukunft soll im Nebel bleiben.
Was für einen Sinn soll eine Honorarkürzung überhaupt haben? Die paar Euro machen doch überhaupt in dem Riesenbudget nichts aus. Bei 250 Mrd€ Ausgaben.
Die Kammer in BW ist mit nur 20% Wahlbeteiligung gewählt und damit nicht demokratisch und schon gar keine Vertretung der Apotheker im Land. Irgendeine Legitimation kann ich nicht erkennen, auch wenn in der Kammerversammlung das „who is who“ vertreten ist. Wo sind die Normalos? Ein Kollege, der sich im Netz brüstet. 110 Seiten bei der Abrechnung der Impfzertifikate zu haben, ein Hans Dampf, der offensichtlich im Geld schwimmt, als leuchtendes Vorbild? Die Kohle hat nicht jeder und nicht jeder hat die persönlichen Möglichkeiten. (nur als Beispiel). Der pflichtbewusste Apotheker und Apotheke, die den täglichen „Kleinkram“ abarbeiten kommt in der DAZ nicht vor. Das sind die kleinen Buden auf dem Kirmes, die den großen leuchtenden Augen verborgen bleiben, die Schaffer im Hintergrund, die alles erst möglich machen. Missachtet, verachtet, ignoriert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: blauäugig. nichtssagend

von Daniela Hänel am 19.09.2021 um 14:02 Uhr

Vielen Dank für Ihre treffenden Worte!

Wer weiß, ob das e-Rezept pünktlich kommt, denn aktuell gibt es einen weltweiten Mangel an „Chips“ und entsprechend sehr lange Lieferzeiten von mehreren Wochen ist die Rede, um Kartenterminals zu erhalten.

Aber die großen Mitstreiter unserer obersten Organisationen einschließlich die Versandlogistiker im holländischen Grenzgebiet sind ja alle schon fein an die TI angeschlossen …

AW: blauäugig. nichtssagend

von Tobias Kast am 19.09.2021 um 16:07 Uhr

Ja - die Wahlbeteiligung könnte besser sein.
In BaWü haben von 13.441 wahlberechtigten Apothekern insgesamt 3.348 Apotheker gewählt (sind knapp unter 25 %).
Was war der Grund für den Rest?
- Eine Gruppe ist die mit vollkommenem Desinteresse an allem, was mit dem Beruf zu tun hat.
- Eine weitere Gruppe könnte die sein, die sagt "es ändert sowieso nichts".
- Ein Anteil könnte es vergessen haben (trotz 2 "Themen Kammerzeitschriften" dazu und separater Wahlzuschrift).
...?

Ansonsten;
Der vermutlich "bekannteste" Apotheker im Vorstand hat von den Wählenden absolut die meisten Stimmen bekommen... aus dem Stand, gegen Alterspräsidenten, Vize und ehemaligen LAV Vize (was die drei Nachfolgenden wären)...
Ich würde durchaus behaupten, dass sich daraus etwas ablesen lässt.

Die Vertreterversammlung hat außerdem neben dem Präsidenten die Hälfte des Vorstandes mit jüngeren Leuten besetzt. Der Altersdurchschnitt im Vorstand liegt jetzt grob überschlagen bei 47 Jahren. (Die "Neuen" alleine bei ca 40.)

Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren tut und wie viel man mit Kammer und Vertreterversammlung bewegen kann - und wie viel eben nicht.

Das sich viel ändern WIRD (und ändern MUSS!) ist jedem klar, der nicht den Kopf in den Sand steckt und nur versucht "noch ein paar Jahre zu überstehen".

Die Frage ist - hat man die Chance eine Veränderung in irgendeiner Form zu gestalten oder kann man sie nur erleiden.
Für Letzteres ist mir persönlich mein voraussichtliches Berufsleben noch deutlich zu lang.

Disclaimer:
Ich wurde (wie fast 30 Andere) das erste Mal in die neue Vertreterversammlung der LAK BaWü gewählt.

AW: Jubelperser oder Revolutionäre bei Kammerwahlen

von Ulrich Ströh am 19.09.2021 um 17:02 Uhr

Na ja, Apotheker sind in der Mehrzahl weder Anhänger von Veränderern oder Revolutionären bei Kammerwahlen.

Sie fokussieren sich zumeist auf das Gedeihen ihrer eigenen Apotheke.

Die Wahlbeteiligung für KVen wird auch zukünftig nicht steigen und die Anzahl engagierter Kollegen wird sich in Grenzen halten, hoffentlich ist es in Ba-Wü demnächst dauerhaft anders…

Fragt sich nur ,über welches Mandat gewählte Vorstände dann verfügen,wenn mehr als 75 Prozent der Kollegen nicht Ihre Stimme abgeben.

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