Junge Erwachsene

Erhöhen Wachstumshormone das kardiovaskuläre Risiko?

Stuttgart - 02.02.2021, 15:15 Uhr

Eine mögliche Ursache für die erhöhte Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse sehen Forscher in der Wirkung der Wachstumshormone, die auch in den Fett-, Protein- und Kohlenhydratstoffwechsel eingreifen. (Foto: jarun011 / stock.adobe.com)

Eine mögliche Ursache für die erhöhte Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse sehen Forscher in der Wirkung der Wachstumshormone, die auch in den Fett-, Protein- und Kohlenhydratstoffwechsel eingreifen. (Foto: jarun011 / stock.adobe.com)


Trotz wachsender Bedenken über mögliche Spätfolgen einer Therapie mit rekombinanten Wachstumshormonen in der Kindheit gab es bisher kaum Langzeitstudien zu dieser Fragestellung. Diese Lücke hat nun eine schwedische Forschergruppe versucht zu schließen.

In der Kohortenstudie wurden 3.408 Kinder, die zwischen 1985 und 2010 Wachstumshormone bekommen haben, mit einer Kontrollgruppe von 50.036 Kindern (je 15 Kontrollkinder wurden auf ein mit Wachstumshormonen behandeltes Kind auf Alter, Geschlecht und Wohnort gematcht) über 25 Jahre verglichen. 

Primärer Endpunkt war das erstmalige Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses. Insgesamt war die absolute Zahl der aufgetretenen Ereignisse mit 1.809 Ereignissen (25,6 Ereignisse pro 10.000 Patientenjahre in der Wachstumshormongruppe, 22,6 Ereignisse pro 10.000 Patientenjahre in der Kontrollgruppe) gering. Trotzdem war das berechnete Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 69 Prozent bei den mit Wachstumshormonen behandelten Kindern erhöht. 

Dieser Artikel erschien in der DAZ Ausgabe 4 / 2021, Seite 41

Frauen wiesen dabei ein höheres Risiko (adjustierte Hazard Ratio = 2,05; 95 %-Konfidenzintervall: 1,31 bis 3,2) als Männer auf (aHR = 1,55; 95 %-KI: 1,12 bis 2,13). Auch stieg das Risiko, je länger die Kinder die Wachstumshormone eingenommen hatten (aHR = 2,05), sowie mit steigender kumulativer Dosis (aHR = 2,27). Da Kinder, die lange und hohe Dosen an Wachstumshormonen einnehmen müssen, grundsätzlich aber auch vorher „kränker“ gewesen sind als Kinder, die nur wenige Hormone einnehmen müssen, kann eine Kausalität zwischen der Einnahme von Wachstumshormonen und dem Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen mittels dieser Studie nicht schlussendlich bewiesen werden. Hier müssen weitere Studien durchgeführt werden. 

Eine mögliche Ursache für die erhöhte Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse sehen die Forscher in der Wirkung der Wachstumshormone, die auch in den Fett-, Protein- und Kohlenhydratstoffwechsel eingreifen.

 

Literatur

Tidblad A et al. Association of Childhood Growth Hormone Treatment With Long-term Cardiovascular Morbidity. JAMA Pediatrics 2020. doi:10.1001/jamapediatrics.2020.5199 


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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