Mit Rückenwind an die Nasdaq

Curevac plant Börsengang

Traunstein - 11.08.2020, 16:45 Uhr

Hinter dieser Tür entwickeln Forscher derzeit einen Impfstoff gegen das Coronavirus. (m / Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur) 

Hinter dieser Tür entwickeln Forscher derzeit einen Impfstoff gegen das Coronavirus. (m / Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur) 


Seit die Corona-Krise den Alltag und die Medien beherrscht, verspricht vor allem die Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 eine baldige Rückkehr zur Normalität. Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac ist dabei einer der Hoffnungsträger. Mit dem schon seit Längerem angekündigten Börsengang soll nun weiteres Kapital u.a. für die Entwicklung und Produktion des Impfstoffs akquiriert werden.

Erst in den letzten Wochen hat Curevac eifrig neue Gelder eingesammelt, unter anderem von der Bundesregierung, dem Pharmakonzern Glaxo­SmithKline und der Qatar Investment Authority (QIA). Nun soll der seit einiger Zeit im Raum stehende Börsengang realisiert werden. Laut Pressemeldung hat das Unternehmen die Notierung seiner Stammaktien an der US-Technologiebörse Nasdaq Global Market unter dem Tickersymbol „CVAC“ beantragt. In einem öffentlichen Zeichnungsangebot sollen zunächst 13.333.333 Stammaktien verkauft werden. Zudem will das Unternehmen den Zeichnern eine 30-Tage-Option zum Erwerb von bis zu 1.999.999 zusätzlichen Stammaktien zum öffentlichen Angebotspreis gewähren. Der Preis für den Börsengang soll voraussichtlich zwischen 14,00 und 16,00 US-Dollar pro Stammaktie liegen. Erwartet wird, dass Curevac bis zu 245 Millionen US-Dollar einsammelt.

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Zugleich bekommt der Biotech-Pionier auch noch Geld von dem langjährigen Großaktionär Dietmar Hopp, dem Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist diese Information „in der nahezu unübersichtlichen Fülle der Dokumente, die von der Börsenaufsicht SEC im Zusammenhang mit dem Curevac-Börsengang veröffentlicht werden“ versteckt. Danach soll Hopp sich bereit erklärt haben, 100 Millionen Euro in einer Privatplatzierung zum Preis der ersten Börsennotiz zu investieren.  

Mit dem Nettoerlös aus dem Angebot und der Privatplatzierung sollen laut Pressemeldung zusammen mit den vorhandenen liquiden Mitteln die Entwicklung des mRNA-Impfstoff-Programms gegen SARS-CoV-2 bis zum Abschluss der klinischen Phase-III-Studie sowie die Erweiterung der kurzfristigen Produktionskapazitäten des Unternehmens finanziert werden. Außerdem sollen Gelder in das Onkologie-Programm und die Entwicklung des Tollwut-Impfstoffs  fließen.

Tests in Brasilien geplant

Doch wie weit ist die Entwicklung des COVID-19-Impfstoffs bei Curevac aktuell gediehen? Bisher laufe es bei der ersten, kleineren Testreihe in Deutschland mit 180 Probanden sehr gut, äußerte Studienleiter Professor Peter Kremsner vom Tübinger Institut für Tropenmedizin am Montag laut der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Tests sind in Brasilien geplant. Dort werden bereits Impfstoffe anderer Hersteller, z.B. von AstraZeneca sowie Biontech und Pfizer, erprobt. Wie die Infektiologin Sue Ann Clemens, Mitglied des Komitees von Curevac, der Deutschen Presse-Agentur sagte, plant das Unternehmen, im September oder Oktober mit der Studie in dem südamerikanischen Land zu beginnen.

Günstiger Zeitpunkt für Börseneinstieg

Für Curevac findet der Einstieg an der Börse aufgrund der Coronakrise zu einem günstigen Zeitpunkt statt. Schlechter verlief es für das Mainzer Unternehmen Biontech, das im vergangenen Herbst den Sprung an die Nasdaq wagte. Mittlerweile ist Biontech einer der Favoriten bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19, aber seinerzeit blieb das eingesammelte Kapital deutlich unter den Erwartungen. Das dürfte bei Curevac ganz anders laufen. Wie viel Geld das Unternehmen den Aktionären letztlich wert ist, wird sich allerdings erst beim Börsengang, der in wenigen Wochen über die Bühne gehen soll, zeigen.



Dr. Christine Ahlheim (cha), Chefredakteurin AZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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