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Übelkeit und Erbrechen bei Kleinkindern

31.01.2020, 12:39 Uhr

(Foto: New Africa / stock.adobe.com)

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Gerade noch hat sich das Kind übergeben, eine Viertelstunde später spielt es schon wieder völlig zufrieden mit seinen Legobausteinen. Was für Erwachsene nur schwer nachvollziehbar ist, ist bei Kindern keine Seltenheit. Während Erwachsene meist versuchen, den Brechreiz zu unterdrücken, übergeben sich Kinder viel schneller und schaffen sich so Erleichterung.

In den meisten Fällen sind die Ursachen völlig harmlos

Oft zieht der Körper die „Notbremse“, weil die Essensportion zu groß war, sie zu hastig heruntergeschlungen wurde, zu viel Fettiges, Süßes oder einfach für den Kindermagen Ungewohntes dabei war.

Treten neben der Übelkeit noch Erkältungssymptome wie Schnupfen und Husten auf, so kommt eine Virusinfektion als Auslöser in Frage. Neben grippalen Infekten ist häufig auch ein Magen-Darm-Infekt die Ursache – in diesem Fall sind die Erkrankten auch häufig von Durchfall geplagt.

Steht die Einschulung oder die Fahrt in den Urlaub bevor? Genau wie bei Erwachsenen auch kann sich Aufregung „auf den Magen schlagen“ und Übelkeit verursachen, auch wenn es sich dabei um eine freudige Aufregung handelt. Ist die Fahrt in den Urlaub z.B. mit einer längeren Autofahrt oder Schiffsreise verbunden, so können auch Kinder von einer Reisekinetose betroffen sein.

„Spuckkinder sind Gedeihkinder“ – diese alte Volksweisheit macht bereits klar, dass Säuglinge, die sich nach der Nahrungsaufnahme häufig übergeben, nicht behandlungsbedürftig krank sind, sofern sie normal wachsen und an Gewicht zunehmen.

Wann sollte ärztliche Hilfe eingeholt werden?

Tritt die Übelkeit nach einem Sturz oder Unfall auf, kann dies ein Hinweis auf eine Gehirnerschütterung sein. In diesem Fall sollte das Kind auf jeden Fall so bald wie möglich zu einem Arzt gebracht werden.

Hat das Kind zusätzlich zur Übelkeit starke krampfartige Schmerzen oder Fieber, so müssen ernsthafte Erkrankungen wie eine Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluss ausgeschlossen werden. Auch in diesem Fall ist ein Arztbesuch zwingend nötig.

Manchmal ist keine klare Ursache für die Übelkeit erkennbar. Unter Umständen kommt und geht in unregelmäßigen Abständen, während das Kind sich in der Zwischenzeit völlig gesund fühlt. Ist dies über einen längeren Zeitraum der Fall, sollte die Möglichkeit einer seelischen Belastung nicht übersehen werden. Hat das Kind Angst vor anderen Kindern im Kindergarten? Wird es in der Schule gemobbt?

Im Allgemeinen kann erstmal abgewartet werden, in welche Richtung sich die Übelkeit weiter entwickelt. Klagt das Kind anhaltend über Übelkeit und muss sich auch nach sechs Stunden weiter erbrechen, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Säuglingen empfiehlt es sich, nicht so lange zu warten, sondern sich bereits nach ein bis zwei Stunden auf den Weg zum Kinderarzt zu machen.

Wie kann man dem Kind am besten helfen?

Muss sich das Kind zum ersten Mal übergeben, so sollte es vor allem beruhigt werden. Bei häufigerem Erbrechen muss der dadurch bedingte Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden, um einer Dehydratation vorzubeugen. Am besten sind dazu Kräutertees oder stilles Wasser geeignet. Die Getränke sollten schluckweise zugeführt werden, da auf einmal getrunkene große Mengen erneutes Erbrechen auslösen könnten. Säurehaltige Getränke wie Fruchtsäfte und Limonaden sollten besser gemieden werden, da sie den Magen zusätzlich reizen würden. Dasselbe gilt für kühlschrankkalte und coffeinhaltige Getränke.

Säuglinge, die gestillt werden, sollten in kurzen Abständen immer wieder angelegt werden. Ein Verdünnen der Muttermilch ist nicht nötig.

Sollte das erkrankte Kind die Flüssigkeitsaufnahme verweigern, muss es in ärztliche Behandlung gebracht und eventuell per Infusion versorgt werden. Flüssigkeitsverlust führt bei Kleinkindern deutlich schneller zur Dehydratation als bei Erwachsenen. Anzeichen für eine beginnende Dehydratation sind trockener Mund, weißliche Haut, Schläfrigkeit und die Ausscheidung geringer Mengen dunklen Urins.

Im Gegensatz zur Flüssigkeitsverweigerung ist es absolut in Ordnung, wenn das Kind nichts essen möchte und einen Tag lang Diät hält. Damit der Blutzuckerspiegel nicht zu weit absinkt, können Traubenzucker oder Honig in die Getränke eingerührt werden. Wenn der Appetit langsam zurückkommt, eignen sich für den Beginn leicht verdauliche Speisen wie Zwieback, ein geriebener Apfel oder eine zerdrückte Banane. Eine warme Brühe kann helfen, den Mineralstoffverlust auszugleichen.

Vorsicht bei der Gabe von Antiemetika!

Fertigarzneimittel wie Vomex® und Vomacur® mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Dimenhydrinat sind freiverkäuflich in vielen Wirkstärken auch schon für Kleinkinder erhältlich. Sie können bei lang anhaltender Übelkeit Erleichterung verschaffen und z.B. eine Autofahrt ermöglichen. Durch den sedierenden Effekt können sie auch helfen, „zur Ruhe zu kommen“ und „sich gesund zu schlafen“. Die Therapie mit diesen Antihistaminika kann die Genesung aber nicht beschleunigen und bringt so gesehen keinen Vorteil gegenüber einer reinen Rehydratationstherapie.

Diphenhydramin und Dimenhydrinat können Krämpfe auslösen. Aufgrund dieses Nebenwirkungspotentials sollten sie bei Kindern unter drei Jahren nur sehr vorsichtig eingesetzt werden. Dasselbe gilt für fiebernde Kinder, da durch das Fieber die Krampfneigung bereits erhöht ist. In jedem Fall ist die im Beipackzettel angegebene Höchstdosierung je nach Körpergewicht exakt einzuhalten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Übelkeit und Erbrechen bei Kleinkindern hat in den meisten Fällen harmlose Ursachen
  • Wichtig ist die Versorgung mit Flüssigkeit – es eignen sich Kräutertees und stilles Wasser, schluckweise verabreicht
  • Tritt die Übelkeit nach einem Sturz/Unfall auf, ist sie von starken Schmerzen oder Fieber begleitet oder wirkt das Kind apathisch, muss ein Arzt aufgesucht werden
  • Antiemetika wie Vomex® und Vomacur® beschleunigen die Genesung nicht. Die angegebene Dosierung nach Körpergewicht muss streng beachtet werden. Für Kinder unter drei Jahren wird die Abgabe ohne ärztliche Rücksprache nicht empfohlen.

Annette Thomas, Apothekerin, Dozentin, DAZ.online-Autorin
redaktion@daz.online


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