Gesundheitspolitik

Ersatzkassen wollen Rabattverträge mit Apotheken

vdek: Nein zum Rx-Versandverbot und dem Aus der Zyto-Ausschreibungen

BERLIN (ks) | Aus Sicht des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung eine ganze Reihe von Baustellen, die die Politik beackern sollte.

Dass in die­sem Jahr die Zusatzbeiträge für die Versicherten noch stabil sind, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf die Kassen durch Reformgesetze bald erhebliche Mehrausgaben zukommen, erklärte Uwe Klemens, Vorsitzender des vdek, vergangene Woche in Berlin. Einsparpotenzial sehen die Ersatzkassen einmal wieder im Arzneimittelbereich. Durch laufende Gesetzgebungsverfahren sehen sie dieses jedoch massiv gefährdet. So fordert der vdek statt des vom Bundesgesundheitsminister geplanten Versandverbots für verschreibungspflichtige Arzneimittel eine Umstellung auf Höchstpreise und neue (Rabatt-)Vertragsmöglichkeiten für Kassen und Apotheken. Auch von einem Aus für Zyto-Ausschreibungen will der Kassenverband nichts wissen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt widersprach den Forderungen prompt.

Die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner beklagte „eine Politik zugunsten der Pharmaindustrie und der Apothekerschaft – und zulasten der Patienten und Versichertengemeinschaft“. Pro Industrie sei insbesondere die im Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) geplante Umsatzschwelle von 250 Mio. Euro. Zugunsten der Apotheker das Rx-Versandverbot. Auf diese Weise auf das EuGH-Urteil zu reagieren, sei nicht zeitgemäß und nicht das, was Versicherte an Versorgungsalternativen einforderten, sagte Elsner. Die Politik handle offenbar aufgrund „großer Lobbyaktivitäten“ der Apotheker. Der Gegenvorschlag des vdek: Der Rx-Versand bleibt erhalten, dafür wird die Arzneimittelpreisverordnung in eine Höchstpreisverordnung umgestaltet. Damit werde Raum für Rabatte geschaffen – entsprechende Verträge sollen die Kassen mit den Apotheken abschließen können. Dann bleibe es jeder Kasse selbst überlassen, ob sie die ausgehandelten Rabatte der Versichertengemeinschaft zufließen lässt – oder sie einzelnen Patienten belässt. Die Politik hält von dem Vorschlag ­offenbar nicht allzu viel. Es habe „bilaterale Gespräche“ gegeben, erklärte Elsner – doch es sehe so aus, als seien die Politiker derzeit sehr von den „Mobilisierungsfähigkeiten“ der Apotheker beeindruckt.

© Kai Felmy

Auch das geplante Verbot, Zytostatika-Lösungen auf Apothekenebene auszuschreiben, kritisierte Elsner. Zahlreiche Kassen hätten sehr gute Erfahrungen mit den Verträgen gemacht. Sie betonte, dass die Zyto-Versorgung anders laufe als die gewöhnliche Arzneimittelversorgung. Hier gebe es nicht das übliche Apothekenwahlrecht, sondern Arzt und Apotheker arbeiteten zusammen – und teilten die erzielten Rabatte unter sich auf. „Diese Rabatte wollen wir für die Versichertengemeinschaft“, sagte Elsner. Bis zu 700 Mio. Euro könnten jährlich durch die Ausschreibungen eingespart werden.

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hielt dem vdek entgegen, der Gesetzentwurf zum Rx-Versandverbot heile das Problem, das mit dem EuGH-Urteil entstanden sei. „Der Vorschlag der Ersatzkassen taugt dafür leider nicht“, so Schmidt. „Denn er räumt Patienten keinerlei Anspruch auf Entlastung ein und zielt nur auf weitere Einsparungen der Kassen ab, während die wohnortnahe Arzneimittelversorgung für Patienten zwischen Usedom und Bodensee entscheidend geschwächt wird.“

Auch beim Thema Zyto-Ausschreibungen positionierten sich die Versicherer einmal mehr als „Sparkassen“ zulasten ihrer Versicherten und deren Versorgungssicherheit. Gerade chronisch kranke Patienten bräuchten die Apotheke vor Ort und deren Botendienst, betonte Schmidt. |

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