Arzneimittel und Therapie

Blutdruck leicht erhöht

Strenge Blutdruck-Einstellung in der Schwangerschaft schadet dem Fötus nicht

Eine Hypertonie erhöht das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen. Während Konsens besteht, dass eine schwere Hypertonie in der Schwangerschaft behandelt werden muss, war es bislang umstritten, inwiefern eine milde Hypertonie zu therapieren ist. In einer aktuellen Studie konnte keine Risikoerhöhung durch eine strenge Blutdruck-Kontrolle für den Fötus festgestellt werden. Die Schwangeren selbst profitierten geringfügig von einer strengen Blutdruck-Kontrolle.

Heute sind rund doppelt so viele Schwangere von einer Hypertonie betroffen wie vor einem Jahrzehnt. Dies ist auch auf die Zunahme von Risikofaktoren wie höheres Alter bei Schwangerschaftsbeginn und Adipositas zurückzuführen. Bei einer Hypertonie in der Schwangerschaft treten jedoch Komplikationen vergleichsweise häufig auf. Eine schwere Hypertonie mit Blutdruckwerten ab 160 mmHg systolisch und ab 110 mmHg bzw. 105 mmHg diastolisch wird in der Schwangerschaft insbesondere zur Schlaganfallprophylaxe behandelt. Antihypertonika, die in der Schwangerschaft erprobt sind, sind beispielsweise Alpha-Methyldopa, Nifedipin und Labetalol. Inwiefern die Behandlung einer milden Hypertonie das Risiko für Komplikationen reduzieren kann, wurde in einer offenen, internationalen Studie mit 987 Schwangeren untersucht. Die Frauen wurden zufällig der Gruppe mit mehr oder weniger strenger Blutdruck-Kontrolle zugeordnet (dia­stolischer Blutdruck-Zielwert 85 bzw. 100 mmHg). Zur Behandlung der Hypertonie wurde der Alpha- und Betablocker Labetalol empfohlen, der in Deutschland aufgrund hepatischer Nebenwirkungen jedoch nicht im Handel ist. Als primärer Endpunkt wurde untersucht, ob das Risiko für eine Fehlgeburt oder intensiv-medizinische Neugeborenenversorgung von der Strenge der Blutdruck-Kontrolle abhängt. Die Blutdruckeinstellung wurde von den Frauenärzten der Schwangeren regelmäßig überwacht.

In der Gruppe mit strenger Blutdruck-Kontrolle war der Blutdruck durchschnittlich 5,8/4,6 mmHg niedriger als in der Vergleichs-Gruppe. Zur antihypertensiven Therapie erhielten circa zwei Drittel der Frauen Labetalol. Der primäre Endpunkt trat in beiden Gruppen vergleichbar häufig auf: Bei 30,7% unter intensiver antihypertensiver Therapie und 31,4% unter weniger strenger Blutdruck-Kontrolle. Insgesamt kam es zu 28 Fehlgeburten, und bei 280 von 959 Geburten war eine intensiv-medizinische Neugeborenenversorgung notwendig. Für den Fötus hatte eine strenge Blutdruck-Kontrolle weder einen zusätzlichen Nutzen noch ein erhöhtes Risiko.

Die Schwangeren selbst profitierten in einem Endpunkt-Parameter von der strengeren Blutdruck-Kontrolle: Unter intensiver antihypertensiver Therapie entwickelten 27,5% eine schwere Hypertonie, wohingegen 40,6% der Vergleichs-Gruppe davon betroffen waren.

Bislang war umstritten, ob eine strengere Blutdruck-Kontrolle in der Schwangerschaft beispielsweise zu einer Minderdurchblutung des Fötus führt und damit das Komplikationsrisiko erhöht. Endpunkte wie intrauterine Wachstumsretardierung traten in der Studie jedoch sehr selten auf. Folglich ist diese trotz der Teilnahme von fast 1000 Frauen nicht in allen Punkten ausreichend aussagekräftig. Insgesamt war die strengere Blutdruck-Kontrolle in der Schwangerschaft jedoch nicht mit einem höheren Risiko für den Fötus und das Neugeborene assoziiert. Da unter strenger Blutdruck-Kontrolle seltener eine schwere Hypertonie auftrat, kann diese im Einzelfall nützen. |

Quelle

Magee LA, von Dadelszen P, Rey E at al. Less-tight versus tight control of hypertension in pregnancy. N Engl J Med 2015;372:407-417

Solomon CG, Greene MF. Control of hypertension in pregnancy – If some is good, is more worse? N Engl J Med 2015;372:475-476

Apothekerin Karin Schmiedel

Was tun bei Durchfallerkrankungen?

Pro Jahr ereignen sich schätzungsweise 40 Millionen „Durchfälle“ in Deutschland, 30% der Einwohner erleiden einmal einen Durchfall. Der Beratungsbedarf in der Arztpraxis wie in der Apotheke ist hoch. Die Gefahr einer Diarrhö geht von den Verlusten an Wasser/Flüssigkeit und von Elektrolyten aus, sie gilt es auszugleichen; zugleich muss die Verdauung normalisiert werden. Bei Hinweisen auf schwere Symptome wie Blut im Stuhl oder Fieber sowie bei Kleinkindern sind schnell die Grenzen der OTC-Abgabe erreicht; andererseits gibt es viele Wirkstoffe wie Opioid-­Mimetika, Enkephalinase-Hemmstoffe, Probiotika oder Adsorbenzien, mit denen wir die Verdauung immer wieder auf die feste Bahn lenken können.

„Immer lästig, aber nicht immer banal: Durchfallerkrankungen in der Selbstmedikation“. Prof. Dr. med. Thomas Herdegen, Kiel, am Freitag, den 6. März 2015, auf der Interpharm in Hamburg.

Das ausführliche Programm finden Sie im Internet unter www.interpharm.de

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